Wir glauben den Argumenten der Überwacher, twittern dagegen andere. Immerhin werde damit Terrorismus bekämpft und der sei gefährlich. @tante schreibt: "Es fehlt Widerstand, weil geglaubt wird, dass Überwachung Sicherheit erzeugt."

Beziehungsweise, meint @journelle, glaubten viele Menschen, "dass es sie nicht betrifft, da sie ja nichts zu verbergen haben".

Dieses Argument wurde oft als gefährlicher Unsinn widerlegt, da jeder irgendetwas Peinliches oder Illegales zu verbergen hat oder irgendwann haben wird. Trotzdem vermuten einige Twitterer, es spiele noch immer eine Rolle.

Die Ursache für diesen Irrglauben liege darin, dass es keine Opfer gebe oder die Opfer, die es gibt, zu wenig sichtbar seien. Deswegen, so die Schlussfolgerung vieler, werde Überwachung nicht als Bedrohung wahrgenommen.

Dabei gibt es Opfer. Und es wird auch über sie berichtet. Ist es zu wenig? Oder sind die Betroffenen nicht berühmt genug, die Fälle nicht lebensbedrohlich genug? Brauchen wir mehr Skandale?

Angst spielt offensichtlich eine Rolle. Angst vor der eigenen Regierung, Angst, nicht mehr in die USA einreisen zu dürfen, Angst aufzufallen. "Wer aufmuckt, kommt womöglich auf die Liste", schreibt @3c5x9.

Das ist ein alarmierender Gedanke. Weil er bedeutet, dass die Überwachung bereits wirkt und dazu führt, dass Menschen ihr Verhalten ändern – aus Sorge, sonst auf irgendeine Weise bestraft zu werden. Ja, schreibt @Aloxo, die Schere im Kopf sei bei den meisten schon da.

Die Antworten, das ist vielen Tweets anzumerken, sind Vermutungen über die Haltung von anderen Leuten. Nur wenige twittern aus der Ich-Perspektive und schreiben, warum sie selbst nicht protestieren. Es ist nicht leicht, sich so etwas einzugestehen und auch noch öffentlich zu äußern. Die meisten Reaktionen sind daher allgemeine Betrachtungen. Sie zeigen aber, mit welchen Gedanken sich Menschen bei diesem Thema beschäftigen.

Viele der Argumente können dabei getrost als Schutzbehauptung gelten, als Ausreden. Denn Berichte über Art, Umfang und Folgen der Überwachung des Internets gibt es zuhauf in allen großen Medien. Auch Aufrufe zum Widerstand gegen die anlasslose und allumfassende Überwachung existieren, auch in großen Fernsehsendungen oder bei YouTube. Sogar eine UN-Resolution gegen Überwachung wird diskutiert.

Selbstverständlich gibt es auch Demonstrationen, vor dem Bundesnachrichtendienst oder auf zentralen Plätzen. Großen Zulauf aber haben sie nicht, von der "Freiheit statt Angst"-Demo im September vielleicht abgesehen.

Was also bleibt als Antwort? Es ist ein Satz, er wurde oft genannt, zum Beispiel von @herr_thiesmeyer. Der lieferte auch gleich die Begründung mit, warum dieser Satz Unsinn ist: "Ich merke nichts von der Überwachung! Mir fällt sich spontan niemand ein, der unter Überwachung gelitten hätte. Oh... Die DDR."