Die amerikanische Armee nutzt mobile Geräte zur Gesichtserkennung schon seit Jahren, um gesuchte Personen zu entdecken. Nun setzt auch die Polizei die Technik ein. Das amerikanische Center for Investigative Reporting berichtet über einen entsprechenden Feldversuch der Polizei in der Region von San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien.

Seit Januar dieses Jahres werden dort 133 Galaxy Tablets mit entsprechender Software eingesetzt. Die kommt von dem Unternehmen FaceFirst. Polizisten können damit Gesichter fotografieren, die dann innerhalb von Sekunden mit einer Datenbank verglichen werden, in der bereits verhaftete Straftäter gelistet sind. Ein Foto und wenige Klicks braucht es, bis der Polizist auf seinem Tablet den Namen des Betreffenden, die Adresse, das Strafregister und Fotos von früheren Verhaftungen sehen kann.

Dafür hat die Software zuvor alle Bilder der Verhafteten-Datenbank, in den USA Mugshots genannt, eingescannt. Anhand einiger Parameter wie des Abstandes der Augen zur Nase werden die Fotos verglichen. Das funktioniert auch auf Smartphones, wie der Hersteller wirbt. Mehr zur Arbeitsweise findet sich hier in einem offiziellen Bericht zu dem Test und hier in einem weiteren Dokument.

Das entsprechende Projekt des National Institute of Justice heißt Tactical Identification System, und der Test in San Diego ist nur der Anfang. In den zehn Monaten, die das Programm bereits läuft, haben Polizisten in Kalifornien 5.629 Abfragen gestartet, berichtet das Center for Investigative Reporting. Künftig sollen noch ganz andere Bilddatenbanken integriert werden, zum Beispiel die mit den Fotos, die für Führerscheine gemacht wurden.

Nichts zu verbergen?

Einer der Polizisten, die das System einsetzen, wird in dem Bericht mit den Worten zitiert: "If you're not in a criminal database, you have nothing to hide." Wer in keinem Strafregister stehe, heißt das, habe nichts zu verbergen und müsse sich davor doch nicht fürchten. Dieses Mantra der Sicherheitspolitik ist gefährlicher Unsinn, da letztlich jeder Mensch etwas zu verbergen hat und Anonymität nicht umsonst als einer der Pfeiler von Freiheit und damit Demokratie gilt.

Die geplante Ausdehnung auf Fotodatenbanken, die keine Kriminellen enthalten, macht das deutlich. Damit wäre eine flächendeckende Überwachung des öffentlichen Raumes möglich. Ohne dass Betroffene es bemerken, könnten sie verfolgt und ausgespäht werden. Google beispielsweise hat seine geplante Gesichtserkennungssoftware gestoppt und nicht veröffentlicht. Facebook wurde in Deutschland wegen einer solchen Funktion verklagt.

Der Test in San Diego County wurde ohne eine öffentliche Debatte oder Ankündigung gestartet, wie das Center for Investigative Reporting schreibt. Erst nach einer Anfrage der Electronic Frontier Foundation (EFF) gaben die Behörden Informationen dazu heraus.

"Militarisierung der Strafverfolgung"

Dabei erklärte die Behörde auch, unter welchen Umständen überhaupt solche Bilder gemacht werden dürfen. Polizisten können die Scanner erstens bei Festnahmen einsetzen, zweitens wenn der oder die Betreffende zugestimmt hat und drittens auch zur Auswertung von Überwachungsmaterial von Videokameras und anderen Quellen. Die EFF nennt die Regeln problematisch und besorgniserregend.

Besorgniserregend ist auch der Umgang mit den Daten. Demnach ist es den Polizisten überlassen, ob sie die Fotos, die sie gemacht haben, wieder löschen. Tun sie das nicht, bleiben die Bilder in den Tablets gespeichert.

Das Ganze ist kein begrenzter Testfall, sondern offensichtlich Teil eines landesweiten Trends zu mehr Überwachung. Nicht zuletzt, weil es ein gutes Geschäft ist. Das FBI will im kommenden Jahr seine Datenbank, in der mehr als 100 Millionen Menschen gespeichert sind, auf Gesichtserkennung umstellen. Das Programm heißt Next Generation Identification – die nächste Generation des Identifizierens. Für die Bürgerrechtler der EFF ist das eine "Militarisierung der amerikanischen Strafverfolgung".