Die NSA hat die Sicherheitslücken, durch die Edward Snowden unbemerkt zahllose Dokumente kopieren konnte, noch nicht geschlossen. Das sagte Geheimdienstdirektor James Clapper in einer Anhörung im US-Kongress.

Die NSA weiß zudem immer noch nicht, welche Unterlagen Snowden kopiert und mitgenommen hat. Snowden habe gewusst, wie er sich unauffällig durch die Computersysteme des Nachrichtendienstes bewegen konnte. "Er wusste genau, was er tut", sagte Clapper. "Er ist gekonnt unter dem Radar geblieben." 

Die Zahl von 1,7 Millionen Dokumenten, über die spekuliert wird, sei eine Schätzung. "Wir wissen nicht wirklich, was er mitgenommen hat und was er seinen Komplizen zur Verfügung gestellt hat."

Nach Angaben Clappers haben die Geheimdienste noch kein Mittel gegen mögliche weiter Whistleblower. "Wir werden den Einsatz von Überwachungssoftware vorantreiben, um Gefahren durch Insider besser erkennen zu können", sagte er. Der Geheimdienst wolle stärker kontrollieren, welche Mitarbeiter welche Dokumente ansehen. Das System sei allerdings noch nicht vollständig einsatzbereit. "Es gibt keine Mausefalle, um sicherzustellen, dass es nie wieder einen weiteren Edward Snowden geben wird."

Snowden arbeitete über eine Vertragsfirma bei der NSA. Dass er in großem Stil Dokumente kopieren konnte, habe auch an fehlenden Sicherheitsvorkehrungen in seiner Außenstelle in Hawaii gelegen. "Wäre er in Fort Meade gewesen, dem NSA-Hauptquartier, wäre er wahrscheinlich eine ganze Zeit vorher aufgefallen", sagte Clapper.

Snowden hatte sich Ende Mai 2013 mit Dokumenten der NSA und des britischen Geheimdienstes GHCQ von seinem Dienstort auf Hawaii nach Hongkong abgesetzt. In den folgenden Monaten machten Medien mit seiner Hilfe die massiven Überwachungsprogramme der NSA öffentlich. Snowden floh weiter nach Russland, das ihm Anfang August für ein Jahr politisches Asyl gewährte.

Snowden rechtfertigt sich

Snowden rechtfertigte sein Vorgehen in einem Gastbeitrag in der ZEIT. "Nicht die Enthüllung von Fehlverhalten ist für den anschließenden Ärger verantwortlich, sondern das Fehlverhalten selbst", schrieb er. In einer Demokratie müssten Bürger mitentscheiden dürfen. "Die Menschen können Programmen und einer Politik, zu denen sie nie befragt wurden, gar nicht zustimmen."

Nicht er habe "das Abhören so vieler unschuldiger Deutscher autorisiert und dann auch noch vor der Öffentlichkeit geheim gehalten". Die "wütenden Reaktionen" der bloß gestellten Regierungen dienten dazu, die "einfache Wahrheit" zu verschleiern.

Der frühere Geheimdienstmitarbeiter rief in dem Beitrag die Regierungen weltweit auf, öffentliche Debatten über sicherheitspolitische Fragen zuzulassen. Über "ernsthafte Angelegenheiten wie die massiven nationalen Überwachungsprogramme, die heute ohne jede Unterscheidung die Welt durchforsten", müsse in der Öffentlichkeit diskutiert und entschieden werden. "Echte Demokratie verlangt danach, dass Bürger Partner der Regierung sind, nicht bloß ihre Untertanen", schreibt Snowden.