Edward Snowden hat bislang wiederholt betont, für die Enthüllung des NSA-Überwachungsskandals allein verantwortlich zu sein. Er habe "eindeutig und unmissverständlich allein gehandelt, ohne die Hilfe von irgendjemandem, erst recht nicht von einer Regierung", hatte er im Januar dem US-Magazin New Yorker gesagt. Auch die Ermittler des FBI gehen nach Angaben der New York Times davon aus, dass Snowden allein gehandelt hat.

Noch immer versuchen die Ermittlungsbehörden und die Geheimdienste herauszufinden, wie sich Snowden als Angestellter des für die NSA tätigen Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton Zugriff auf vertrauliche Informationen über die Spähprogramme verschaffen konnte. US-Geheimdienstdirektor James Clapper hatte gerade erst vor dem US-Kongress eingeräumt, weder den Umfang der von Snowden kopierten Dokumente zu kennen noch zu wissen, wie er Zugang bekam.

Einem Bericht des US-Fernsehsender NBC zufolge könnte der Whistleblower dabei doch Hilfe bekommen haben, zumindest was die Zugriffsmöglichkeiten auf als geheim eingestufte Unterlagen der NSA betrifft. Der Sender berichtet über ein offizielles Memo des Geheimdienstes (hier als PDF), in dem drei Helfer mit Snowden in Verbindung gebracht werden: ein ziviler Angestellter der NSA, ein Militärangehöriger und ein Mitarbeiter eines NSA-Zulieferers, wie es auch Snowden war. Das Memo wurde Anfang der Woche an einige Kongressabgeordnete versandt und widerspricht den Angaben von Clapper zumindest teilweise.

Zugriff auf persönliches Sicherheitszertifikat gewährt

Dem Geheimdienstdokument zufolge hat vor allem der zivile Mitarbeiter der NSA Snowden den weitreichenden Zugriff auf sensible Informationen ermöglicht. Er soll dem Whistleblower erlaubt haben, sein Sicherheitszertifikat für die Public-Key-Infrastruktur (PKI) zu benutzen. Snowden habe mit diesen persönlichen Zugangsdaten im NSA-internen Netz auch als streng geheim eingestufte Unterlagen einsehen können. Allerdings habe der zivile Mitarbeiter nicht gewusst, dass Snowden die geheimen Informationen veröffentlichen wollte: Er habe seine Log-in-Daten an Snowdens Rechner eingeben, die dieser dann heimlich benutzt haben soll. So lautet zumindest die Darstellung der NSA.

Der Geheimdienst habe dem Mitarbeiter den Zugang zu sensiblen Informationen bereits im vergangenen Jahr gesperrt. Am 10. Januar habe er seinen Job gekündigt. Auch die beiden anderen möglichen Helfer von Militär und einem NSA-Vertragspartner hätten keinen Zugang mehr zu NSA-Informationen, seien aber noch im Dienst. Über ihren Verbleib hätten ihre jeweiligen Dienstherren zu entscheiden.

Mit gängiger Software gearbeitet

Der Zugriff auf Log-in-Daten von NSA-Mitarbeitern könnte also ein Teil der Erklärung sein, wie Snowden als Angestellter eines externen Dienstleisters an so viele geheime Dokumente kam. Es würde auch nicht seiner Aussage widersprechen, allein gehandelt zu haben, weil er die fremden Zugangsdaten demnach ohne Kenntnis der betroffenen Mitarbeiter benutzte. Das Memo könnte allerdings auch der Versuch der NSA sein, Snowden "als Lügner zu diskreditieren", wie netzpolitik.org schreibt. Solche Tendenzen gibt es auch in der Politik. So hatte zum Beispiel der republikanische Kongressabgeordnete Mike Rogers behauptet, Snowden arbeite mit der russischen Regierung zusammen. Belegen konnte er das natürlich nicht.

Erst am Montag hatte die New York Times berichtet, Snowden habe große Mengen der geheimen Daten mithilfe preiswerter und weit verbreiteter Software heruntergeladen. Dass Snowdens Tun überhaupt so lange unentdeckt bleiben konnte, führen die Ermittler auf seine Arbeitssituation als externer Mitarbeiter auf einem Außenposten auf Hawaii zurück. Dort seien die Sicherheitssysteme veraltet gewesen. Hätte Snowden in der NSA-Zentrale gearbeitet, wäre das Herunterladen der Daten aufgefallen.