Wegen des Verdachts der Internetkriminalität haben Behörden in zahlreichen Ländern mehr als 350 Wohnungen durchsucht. Dabei sei bei Hunderten Tatverdächtigen die Schadsoftware Blackshades sichergestellt worden, teilte die deutsche Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität mit.

Die Aktion hat bereits in der vergangenen Woche stattgefunden. Allein in Deutschland habe es Durchsuchungen bei 111 Tatverdächtigen gegeben. "Das Verfahren markiert einen Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Cybercrime", sagte eine Sprecherin der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft.  

Bei Blackshades handelt es sich um einen Trojaner, der etwa durch das Anklicken eines Links auf verseuchte Websites auf einen Rechner gelangen kann. Ist die Software installiert, können Kriminelle Passwörter abfangen, auf Dateien zugreifen und Webcams fernsteuern. Diese Schadsoftware diene "ausschließlich dazu, kriminelle Handlungen zu begehen", sagte die Sprecherin.  

Vom Typ her ist Blackshades eine Fernwartungssoftware, englisch Remote Administration Tool, RAT. Solche Programme nutzen normalerweise Administratoren, um aus der Ferne auf Computer zuzugreifen. Blackshades ist eine von Kriminellen abgewandelte Form. Da die Software einen kompletten Zugriff auf den Rechner erlaubt, ist sie eine mächtige Waffe.

Drogen und Waffen sichergestellt

Insgesamt wurden 1.000 Rechner und Speichermedien sichergestellt. Auch Drogen, Waffen und vermutlich aus Straftaten stammendes Bargeld fanden die Ermittler. Wie viele Opfer es gab, ist unklar. Ausgangspunkt der Ermittlungen waren US-Behörden, die die Vertreiber des Spähprogramms ausfindig gemacht hatten.

Britische Behörden vermuten, dass allein die britischen Blackshades-Nutzer mehr als 200.000 Passwörter von Opfern auf der ganzen Welt abgegriffen haben könnten. Ein Ermittler der National Crime Agency sagte der BBC, die Aktion "sendet die klare Botschaft an Cyberkriminelle, dass wir die Technologie, die Kapazität und die Expertise haben, um sie aufzuspüren." Durchsuchungen gab es in insgesamt 15 Staaten, etwa in den USA, Frankreich und den Niederlanden.