Löhr wollte den Durchsuchungsbeschluss sehen. Wie sich herausstellte, gab es den nicht. Der Beamte hatte nur einen Beschluss, um Daten von Nutzern zu verlangen, die an einem bestimmten Tag ihr Posteo-Konto per PayPal bezahlt hatten. Auf diesem Wege wollte die Polizei den Kreis von Verdächtigen einengen, die für die Nutzung eines bestimmten Posteo-Postfachs infrage kämen. Vermutlich war die Adresse an diesem bestimmten Tag zum ersten Mal irgendwo aufgetaucht und den Ermittlern aufgefallen. Sie wollten wissen, wer sich an dem Tag bei Posteo angemeldet hatte und deshalb als Besitzer des verdächtigen Kontos infrage kommt. Löhr gab dem Beamten daraufhin einen entsprechenden Kontoauszug, an dem dieser nach Darstellung von Löhr jedoch kein Interesse hatte.

Stattdessen fragte der Beamte, ob Löhr eine Überwachungstechnik einsetzen könnte, mit deren Hilfe er feststellen könnte, wer wann mit welcher IP-Adresse auf welches Posteo-Postfach zugreift. Damit wäre die anonyme Nutzung von Posteo nicht mehr ohne Weiteres möglich. Auf die Frage von Löhr, welche rechtlichen Grundlagen es für ein solches Vorgehen gäbe, soll der Beamte gesagt haben: "Ich interessiere mich dafür, was Sie technisch für uns tun können, nicht für Gesetze." Löhr lehnte das Ansinnen ab. Seine Anwälte haben Dienstaufsichtsbeschwerde und Strafanzeige gegen die Beamten eingereicht.

ZEIT ONLINE hat die Posteo-Konkurrenten Deutsche Telekom, Vodafone, Strato und United Internet mit seinen Marken GMX und WEB.DE gefragt, ob auch sie nun einen entsprechenden Transparenzbericht veröffentlichen werden.

Die Telekom hat kurz darauf einen eigenen Report veröffentlicht. Jahresbericht – Auskunft an Sicherheitsbehörden heißt er. Daraus geht hervor, dass die Behörden im vergangenen Jahr 49.796 Telekom-Anschlüsse überwacht haben, 436.331 Verkehrsdatensätze und 28.162 Bestandsdatensätze von der Telekom bekamen sowie 946.641 Mal die Anschlussinhaber hinter bestimmten IP-Adressen ermittelten. Wie viele Anfragen die Telekom insgesamt erhalten und abgelehnt hat, steht nicht in dem Bericht.

Ein Sprecher von GMX und WEB.DE konnte zunächst nur sagen, man arbeite "an einem Modell, hier für Transparenz zu sorgen".

Ein Vodafon -Sprecher teilte per E-Mail mit: "Die Veröffentlichung eines länderübergreifenden Transparenzberichtes durch Vodafone Group ist aktuell in Vorbereitung." Bei den Zahlen aus Deutschland werde Vodafone allerdings nur auf Angaben des Bundesjustizministeriums und der Bundesnetzagentur verweisen, also ekine eigenen Zahlen veröffentlichen. Das Unternehmen werde sich aber "in den kommenden Wochen dafür einsetzen, dass zukünftig die rechtlichen Möglichkeiten geschaffen werden, um auch in Deutschland aussagekräftige Zahlen zu den von behördlichen Maßnahmen betroffenen Kunden veröffentlichen zu dürfen."

Strato hat bislang nicht geantwortet.