Datenschutz-Aktivisten in den USA gehen gegen Facebook vor: Wegen des umstrittenen Psycho-Experiments von Facebooks Data-Science-Team hat die Gruppe Epic (Electronic Privacy Information Center) Beschwerde eingereicht bei der Aufsichtsbehörde FTC. Sie kritisiert, Facebook habe mit dem Test gegen geschäftliche Regeln und eine Vereinbarung mit der FTC zum Schutz der Nutzerrechte verstoßen.

In dem einwöchigen Experiment im Januar 2012 wurde die Timeline der Nutzer manipuliert: Eine Gruppe bekam überdurchschnittlich viele negativ besetzte Einträge zu sehen, die andere überdurchschnittlich viele positive. Ziel der Studie war herauszufinden, ob manipulierte Nachrichten auch die Gefühle der Nutzer manipulieren. Ohne ihr Wissen waren fast 700.000 Nutzer an der Studie beteiligt.

Facebook hatte den Test verteidigt und angegeben, er werde durch die Benutzungsbedingungen des Dienstes gedeckt. Gleichzeitig hatte Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer, eingeräumt, dass die Studie "schlecht kommuniziert" worden sei.   

Nutzer wurden nicht informiert

Epic argumentiert hingegen, zum Zeitpunkt des Experiments habe Facebook die Nutzer in seinen Erklärungen zur Datenverwendung noch nicht auf einen möglichen Einsatz für Forschungszwecke hingewiesen. Außerdem habe Facebook gegen eine FTC-Regel verstoßen, die Handlungen verbietet, die Verbrauchern Schaden zufügen könnten.

Epic hatte sich schon 2009 bei der FTC über die Datenschutz-Einstellungen von Facebook beschwert. Das Unternehmen erklärte sich anschließend zu weitgehenden Änderungen bereit. Unter anderem wird ein unabhängiger Datenschutzexperte das Netzwerk alle zwei Jahre untersuchen und einen Bericht anfertigen, der alle neuen Datenschutzvorkehrungen bewertet. Die Einigung zwischen FTC und Facebook gilt für 20 Jahre.

Das heimliche Experiment aus dem Jahr 2012 beschäftigt mittlerweile auch britische und irische Aufseher. Und die Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences, in der die Studie Anfang Juni veröffentlicht wurde, hat ihre Besorgnis über die Art der Datenbeschaffung zum Ausdruck gebracht.

Laut Wall Street Journal hat das Data-Science-Team von Facebook, bestehend aus etwa 30 bis 40 Wissenschaftlern, in den vergangenen Jahren viele solcher Versuche durchgeführt, von denen die Nutzer nichts erfuhren.