Keith Alexander war fast zehn Jahre lang Direktor der US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA). Im März schied er aus dem Dienst aus. Nun hat er eine Firma gegründet. Sie heißt IronNet Cybersecurity und will Banken und Unternehmen helfen, sich gegen Angreifer aus dem Netz zu schützen. Bis zu eine Million Dollar im Monat verlangt Alexander für seine Dienste, wie Bloomberg berichtet. Dem Magazin Foreign Policy sagte Alexander nun, er werde mindestens neun Patente anmelden, die eine neue und einmalige Technik zum Aufspüren von kriminellen Hackern in Firmennetzwerken beschreiben.

Alexander will offenbar sein über viele Jahre im Staatsdienst angehäuftes Wissen über Programme wie XKeyscore oder Prism zu Geld machen, mit eigenen Patenten. 

Der Wechsel von Alexander ist gleichzeitig exemplarisch für ein größeres Problem als das des finanziellen Profits eines hochrangigen Beamten aus Insider-Wissen: Fliegende Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft, Drehtür-Effekt genannt, verzerren politische Prozesse und produzieren Macht-Asymmetrien. Zu diesem ernüchternden Befund kommt zumindest die Nichtregierungs-Organisation LobbyControl, die den Effekt bereits 2007 (PDF) untersucht hat.

Alexanders Wechsel ist längst der Normalfall

Das deutsche Musterbeispiel ist Gerhard Schröder. Der ehemalige Bundeskanzler übernahm kurz nach seiner Amtszeit einen Aufsichtsratsposten des russischen Gas-Konzerns Gazprom. Schröder hatte in seiner Amtszeit unter anderen den Bau der Pipeline NordStream vorangebracht.

In US-Sicherheitskreisen, vor allem wenn es um die Bekämpfung von Cyber-Kriminalität geht, rotiert die Drehtür weit häufiger als hierzulande. Nicht nur Alexander, auch mehrere seiner Vorgänger haben nach ihrer NSA-Zeit einen Posten bei privaten Sicherheitsunternehmen angenommen. Manche kehrten von dort sogar wieder in den Staatsdienst zurück. Der Reihenfolge nach:

  • Lincoln Faurer, NSA-Direktor von 1981 bis 1985, wechselte 2004 in das Board of Directors – einer Art Kontrollgremium – von Saflink. Das Unternehmen war zu dieser Zeit führend in der Entwicklung von Biometrielösungen und Smart Cards.
  • William Studeman, NSA-Direktor von 1988 bis 1992, war nach seiner NSA-Zeit neun Jahre lang für den US-Waffenhersteller Northrop Grumman als Vizepräsident tätig, unter anderem für den Bereich Informationskrieg.
  • John Minihan, NSA-Direktor von 1996 bis 1999, wechselte 2013 in das Board of Directors von Endgame. Die Spezialität von Endgame ist die Analyse und Bekämpfung von Cyber-Angriffen.

Eine Karriere aber ragt besonders hervor: die des ehemaligen Admirals John Michael McConnell. Von 1992 bis 1996 war McConnell NSA-Direktor. Danach arbeitete er etwa zehn Jahre lang für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton (Booz Allen). Das Unternehmen zählt zu den größten Technologie-Beratern und militärischen Dienstleistern der US-Regierung. Einer seiner Hauptkunden ist die NSA. Auch Edward Snowden arbeitete für Booz Allen, bis er an die Öffentlichkeit ging. McConnell betrieb dort Lobbyarbeit, mit dem Ziel, Firmen und Geheimdienste einander noch näher zu bringen.