Ärzte müssen öffentliche Bewertungen im Internet akzeptieren. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat entschieden, dass das Recht auf Kommunikationsfreiheit über dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung stehe. Dies gelte für freie Berufe wie Ärzte und Anwälte. "Das Recht des Klägers auf informationelle Selbstbestimmung überwiegt das Recht der Beklagten auf Kommunikationsfreiheit nicht, betonte der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs.

Geklagt hatte ein Münchener Gynäkologe, dessen Revision das BGH abwies. Der Arzt, der auf dem Internetportal Jameda überwiegend positiv bewertet wurde, forderte eine vollständige Löschung seines Profils, war mit seiner Klage aber bereits in den Vorinstanzen gescheitert. Jameda darf demnach weiter die beruflichen Daten des Arztes und Bewertungen von Nutzern veröffentlichen.

Die fünf Richterinnen und Richter begründeten ihr Urteil damit, dass die Öffentlichkeit an Informationen über ärztliche Leistungen interessiert sei. Da die Arztwahl frei sei, würde das Internetportal den Nutzern helfen, die erforderlichen Informationen zu finden. Gegen Bewertungen, die auf unzulässige Tatsachenbehauptungen beruhten, könne der Arzt sich im Einzelfall allerdings juristisch wehren, hieß es.

Nach Ansicht des Hamburger Rechtsanwalt Andreas Freitag habe die Meinungsfreiheit für das BGH einen besonders hohen Wert. Dies würden vorherige Urteile bestätigen, wie eine Klage im Jahr 2009 gegen das Lehrer-Bewertungsportal spickmich.de, die die Richter ebenfalls abgewiesen hatten.