Der Bundesnachrichtendienst (BND) speichert am Horchposten im bayerischen Bad Aibling zeitweilig den gesamten Datenverkehr der von ihm angezapften Verbindungen in Afghanistan, Somalia und dem Nahen Osten. Betroffen sei "jegliche Art von Kommunikation: Telefonie, Internetnutzung, E-Mail, GPS-Datenverarbeitung", wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel aus als geheim eingestuften Papieren der Bundesregierung zitiert.  

Die Linke-Obfrau im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages, Martina Renner, kritisierte das Vorgehen des BND als "verfassungswidrige Massenüberwachung im Ausland". 

So speichert der BND laut des Medienberichts die Daten in der Regel sieben Tage lang – in dieser Zeit bereiten IT-Experten die Rohdaten für die elektronische Auswertung auf. Allerdings sei es im Fall von Übertragungen aus Afghanistan nach Bad Aibling wiederholt zu Fehlern gekommen, weshalb der deutsche Auslandsgeheimdienst zudem vor Ort "Pufferzeiten" einrichte. So blieben die Daten in Kabul 14 Tage lang auf den Servern, in Masar-i-Scharif sogar für einen Zeitraum von sechs Wochen.    

Dem Bericht zufolge arbeitet der BND in Bad Aibling eng mit dem US-Geheimdienst NSA zusammen. Für die Auswertung würden "15 bis 20 funktional unterschiedliche Systeme" verwendet werden, die von der NSA stammen. Die Auswerter bekämen von den Amerikanern auch Suchbegriffe, etwa Telefonnummern, E-Mail-Konten und IP-Adressen von Zielpersonen. Die NSA erhalte letztlich "die resultierenden Telekommunikationsverkehre".

Die Vorgehensweise erinnert laut einem Bericht von netzpolitik.org stark an das britische Tempora-Programm, was alle über Großbritannien laufenden transatlantischen Glasfaserkabel anzapft und den Datenverkehr analysiert und zwischenspeichert.