Das Regierungsviertel von Oslo wird offenbar systematisch ausgespäht. Die norwegische Zeitung Aftenposten hat in der Nähe von Parlament, Ministerien und dem Sitz von Ministerpräsidentin Erna Solberg Spionagegeräte aufgespürt.

Es handele sich um so genannte IMSI-Catcher. Das sind Geräte, die sich fälschlicherweise als Mobilfunk-Basisstationen ausgeben und auf diese Weise Handy-Daten ausforschen können. So kann etwa überwacht werden, wer Parlament und Regierungsgebäude betritt oder verlässt. Auch können einzelne Handygespräche und der mobile Datenverkehr ausspioniert werden.

Aftenposten hat nach eigenen Angaben für die Recherche mit zwei Sicherheitsfirmen zusammengearbeitet. So habe man in den Straßen des Regierungsviertels verdächtige Mobilfunkaktivitäten aufspüren können.

Wer hinter der Spionage steckt, ist unklar. Die Zeitung ist bei ihrer Recherche zu dem Ergebnis gekommen, dass norwegische Sicherheitsdienste sehr wahrscheinlich nicht für die Überwachung verantwortlich sind.

Die gefundenen Geräte seien nicht auf dem freien Markt erhältlich, sie seien sehr ausgereift und teuer. Nur Organisationen mit großen Ressourcen, etwa ausländische Geheimdienste, seien zu einer solchen Überwachung in der Lage, schreibt Aftenposten.

Auch Behörden finden Spionagegeräte

Die Zeitung informierte am Donnerstag die norwegischen Behörden über den Fund der Überwachungsgeräte. Der Nationale Sicherheitsdienst startete daraufhin eine eigene Untersuchung, auch er bestätigte die Ergebnisse. "Wir wissen nicht, welche Absichten dahinter stehen, warum diese IMSI-Catcher dort sind und welche Informationen sie sammeln", sagte ein Behördensprecher jedoch.

Nach Einschätzung der Sicherheitspolizei könnten "sehr viele" Organisationen für die Überwachung verantwortlich sein, zitierte The Local einen Sprecher. "Aufgrund dieser Entdeckungen kann ich nicht sagen, ob ein ausländischer Geheimdienst verantwortlich ist. Wir wissen aber, dass ausländische Geheimdienste zu einer solchen Überwachung in der Lage sind."