Hilfsorganisationen haben auf katastrophale Zustände in einer bayerischen Flüchtlingsunterkunft hingewiesen. Laut dem Aktionsbündnis für Flüchtlingsfrauen, in dem sich mehrere Organisationen zusammengeschlossen haben, komme es in der Münchener Bayernkaserne täglich zu Vergewaltigungen, Zwangsprostitution und anderen Gewalttaten gegen Frauen und Kinder. Die Betroffenen würden aus Scham und Angst keine Anzeige erstatten.

Ein Grund für die Übergriffe sei die Art der Unterbringung, kritisiert das Bündnis. In der Unterkunft, in der mehr als 1.000 Flüchtlinge leben, hätten Frauen keinerlei Möglichkeiten, ihre Zimmer abzuschließen. Zudem müssten sie sich die Sanitärräume von männlichem Wachpersonal aufschließen lassen. In einem eigens für Frauen gedachten Haus würden inzwischen auch Männer untergebracht, die einen Großteil der in der Kaserne untergebrachten Flüchtlinge ausmachten.

Um die bayerische Landesregierung dazu zu bringen, den Vorfällen nachzugehen, stellte der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Ullrich Pfaffmann einen Antrag an die Regierung, die in seinen Augen zuständig ist. Er habe Vertrauen zu den Organisationen, die in der Kaserne tätig seien, sagte Pfaffmann ZEIT ONLINE.

Es gebe keinen Grund, die Vorwürfe zu ignorieren. In der Kaserne seien zu viele Flüchtlinge auf zu engem Raum untergebracht. Es gebe Hinweise, dass auch Wachpersonal an den Vorfällen beteiligt sei.

Die Regierung von Oberbayern kündigte verschiedenen Medienberichten zufolge an, die Vorwürfe zu untersuchen. Bisher sei davon nichts bekannt gewesen. Demnach seien Zimmer sehr wohl abschließbar und würden alleinstehende Frauen getrennt von Männern untergebracht. "Die aktuell vorgetragenen Vorwürfe, die uns allerdings nicht bekannt waren, werden wir unverzüglich an die Strafverfolgungsbehörden weiterleiten", teilte die Regierung von Oberbayern laut Bayerischen Rundfunk mit. Man wehre sich entschieden dennoch gegen die "pauschalen Vorwürfe" zu Gewalt an Frauen und Kindern in der Kaserne und weisen diese zurück. 

Schon länger sind die Zustände in der Bayernkaserne in der Kritik. Ende vergangenen Jahres musste die Unterkunft zeitweilig schließen, weil zu viele Flüchtlinge dort untergebracht waren. Viele mussten im Freien schlafen, einigen standen nicht einmal Decken zur Verfügung.  

Auch gegen das Wachpersonal in der Bayernkaserne wurden immer wieder Vorwürfe laut. Laut einem Medienbericht haben Polizisten nun bei einer Razzia in der zuständigen Sicherheitsfirma und bei Mitarbeitern Waffen und Drogen gefunden. Nun werde geprüft, ob damit in der Flüchtlingsunterkunft gehandelt worden ist.