WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat sich dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags als Zeuge angeboten. "Ich würde mich freuen, wenn die Abgeordneten zu mir kämen, um ihre Fragen zu stellen", sagte der Chef der Enthüllungsplattform dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Er würde diesem die vor Kurzem von WikiLeaks veröffentlichten Listen von abgehörten deutschen Beamten und Politikern auch ungeschwärzt zugänglich machen, sagte Assange. "Wir ertrinken im Material", sagt Assange über den erheblichen Nachschub an Geheimdokumenten, den die Plattform in den letzten Monaten bekommen habe.

WikiLeaks hatte vor Kurzem bekannt gegeben, dass sie Spionageziel-Listen des US-Geheimdienst NSA besitzt, die die Langzeitüberwachung von 125 Telefonnummern diverser deutscher Spitzenpolitiker und -beamter belegten. Zu den betroffenen Anschlüssen gehörten demnach unter anderem Büro- und Mobilfunknummern von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Durchwahlen enger Berater der Kanzlerin sowie von Experten aus anderen Ministerien.

WikiLeaks veröffentlichte parallel mehrere streng geheime Zusammenfassungen von Gesprächen zwischen Merkel und ihren Berater aus den Jahren 2009 und 2011, die die NSA verfasst haben soll.

Die Enthüllungsplattform hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Dokumente zu Spähaktionen der NSA gegen europäische Politiker veröffentlicht. Die Bundesregierung hatte in einer Reaktion darauf den US-Botschafter zum "Gespräch" gebeten. Die Bundestagsopposition, aber auch Teile der SPD forderten härtere Reaktionen.

Assange hält sich seit mehr als drei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Dort wird gegen ihn wegen Vergewaltigung ermittelt. Assange weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück und befürchtet von Schweden in die USA ausgeliefert zu werden. Dort droht ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrat.