Video-Empfehlungen auf einen Blick, Abos und Dashboard sofort erreichbar. Das YouTube-Menü von Cliqz sieht gut aus und überzeugt durch Funktionalität. © Screenshot

Bevor Cliqz zum eigenständigen Browser wurde, hatte das Unternehmen diese Suchfunktion als Add-on angeboten und eine Million Nutzer gefunden. "80 Prozent von ihnen sind mit den Antworten zufrieden", sagt Al-Hames.

Allerdings stößt die Cliqz-Suche an ihre Grenzen, sobald sie etwas tiefer gehen soll, sobald sich die Antwort nicht in einer Wettergrafik oder einem Fußballergebnis darstellen lässt. Aber Cliqz solle die tiefe Suche auch gar nicht ersetzen, sagt Al-Hames, sondern nur den unnötigen Gebrauch einer externen Suchmaschine bei einfachen Suchabfragen.

Im Praxistest funktioniert das Prinzip nicht perfekt, aber schon ganz gut. "Wetter Berlin" zeigt das aktuelle Wetter in Berlin inklusive Prognose. Die Suche nach Bundesliga-Ergebnissen führt zu Ergebnissen vom Vorjahr, wenn man beide Mannschaften einer Begegnung eingibt. Mit nur einer Mannschaft erhält man hingegen das Ergebnis vom vergangenen Wochenende. Wer nur den Suchbegriff Flüchtlinge eingibt, bekommt eine Mischung aus Übersichtsseiten großer Nachrichtenportale, aktuellen sowie älteren Meldungen vorgeschlagen. Die Suche nach YouTube-Videos funktioniert sehr gut, Boolesche Such-Operatoren hingegen nur eingeschränkt. Die Rechtschreibfehlertoleranz ist nicht so gut wie die von Google. Einige Abfragen, etwa nach Aktienkursen, führen nicht immer zum gesuchten Ergebnis.

Cliqz braucht Nutzerdaten, legt aber keine Profile an

Das liegt am Human-Web-Ansatz, den die Entwickler gewählt haben: Die Suchergebnisse werden weniger durch die Suchmaschinenoptimierung der Anbieter festgelegt, sondern vor allem dadurch, was die Masse der Cliqz-Nutzer für relevant hält. Mit der Zeit und bei zunehmender Nutzerzahl sollten die Ergebnisse also immer besser werden, im Sinne von mehrheitsfähiger.

Thomas Konrad, PR-Chef von Cliqz, verweist auf erfolgreiche eigene Tests und sagt: "Dass hin und wieder Fehler vorkommen, kann passieren. Herkömmliche Suchmaschinen machen diese auch, wir alle haben allerdings durch jahrzehntelange Nutzung gelernt, uns aus den vielen Ergebnissen auf den Suchergebnisseiten die besten herauszusuchen und die schlechten auszublenden. Diese Chance hat Cliqz nicht."

Die Cliqz-Entwickler betonen übrigens, dass sie zwar Nutzerdaten sammeln, um ihre Suche zu verbessern. Daten, anhand derer einzelne Nutzer zu identifizieren oder wiederzuerkennen wären, seien aber nicht darunter. Cliqz soll eine privatsphärenfreundliche Suchmaschine sein.

Alles, was eine ID sein könnte, wird ersetzt

Womit wir bei der Anti-Tracking-Methode wären. Die Technik dahinter ist komplex, die Idee simpel: Cliqz verhindert Tracking nicht per se und komplett, sondern nur die Übertragung jener Daten an die Tracker-Betreiber, die einzelnen Nutzern zugeordnet werden und anhand derer sie quer durchs Netz verfolgt werden könnten. "Unsichere Daten" heißen sie in der Cliqz-Welt.

Erkennt der Cliqz-Algorithmus in einem Tracker-Skript zum Beispiel etwas, das eine eindeutige Identifikationsnummer sein könnte, ersetzt er sie durch eine andere Zahl. Transportiert der Tracker Daten wie die Bildschirmauflösung, entscheidet Cliqz, ob es sich um eine gängige Auflösung handelt, die so viele andere Cliqz-Nutzer auch haben, dass eine Zuordnung zu einer Person nicht mehr möglich ist. In dem Fall lässt sie die Daten durch. Ist die Auflösung innerhalb der Gruppe der Cliqz-Nutzer extrem selten, blockiert oder verfälscht der Filter die Übertragung. So kann der Tracker-Betreiber die Daten nicht zum sogenannten Fingerprinting, also zum Wiedererkennen eines bestimmten Browser benutzen. Für diese Abwägungen benötigt Cliqz selbst viele Nutzerdaten, und die werden über den Browser gesammelt – siehe oben.