Facebook nutzt offenbar die Standortdaten von Smartphone-Nutzern, um passende Freunde vorzuschlagen. So jedenfals berichtete Fusion es am Dienstag zunächst. Demnach bekommen Menschen, die sich ein- oder mehrmals am gleichen Ort aufgehalten haben, einander möglicherweise als "Personen, die du kennen könntest" vorgeschlagen. Nach ersten Angaben von Facebook ist dazu aber neben dem geteilten Standort ein weiteres gemeinsames Merkmal wie überlappende Netzwerke, Beruf oder andere Präferenzen notwendig.

Fusion hatte über die Praxis von Facebook berichtet, nachdem ein Mann einen Freundesvorschlag bekam, den er sich nicht recht erklären konnte. Der Mann war zu einer Selbsthilfegruppe gegangen und hatte am darauffolgenden Tag eine der dort anwesenden Personen als Freund vorgeschlagen bekommen. Er hatte nach eigenen Angaben noch niemals vorher Kontakt mit der Person und demnach auch keine Handynummer oder ähnliche Informationen in seinem Smartphone oder Facebook-Account gespeichert. 

Nutzer können Facebook den Zugriff auf ihren Standort vorenthalten

Der Verdacht liegt also nahe, dass Facebook den Standort der Nutzer nutzt, um passende Freunde zu finden. Die entsprechende Einstellung findet sich in den Datenschutzeinstellungen, vielen Nutzern dürfte nicht bewusst sein, dass die Option aktiviert ist. Nutzer können die Verknüpfung unter "Standort" selbst deaktivieren.

Ein Facebook-Sprecher bestätigte Fusion den Zusammenhang zunächst (siehe Update am Ende dieses Artikels): "Menschen, die du kennen könntest, sind Menschen auf Facebook, die du kennen könntest. Wir zeigen dir Vorschläge für Menschen basierend auf gemeinsamen Freunden, Arbeit und Bildungsinformationen, Netzwerken, zu denen du gehörst, von dir importierten Kontakten und vielen andere Faktoren." Einer dieser Faktoren sei der Standort der Smartphones.

Diese Vorschläge könnten zu Problemen führen. Wenn, wie im oben erwähnte Beispiel, jemand zu einer Selbsthilfegruppe geht und am nächsten Tag einen dort Anwesenden vorgeschlagen bekommt, ist die in diesen Gruppen oft gewünschte Anonymität dahin, auch weil Facebook auf Klarnamen besteht. Sobald neben dem Standort noch ein weiteres Merkmal zufällig passt, wie zum Beispiel eine gemeinsame Universität oder mehrere Fanseiten, die beide abonniert haben, könnte so etwas passieren.

Das Vorgehen von Facebook ist mit der Einwilligung der Nutzer vermutlich legal. Besser wäre es jedoch, wenn Facebook es zumindest klar in seinem Hilfebereich unter "Personen, die du vielleicht kennst" erklären und die Standortbestimmung zu diesem Zweck zum Opt-in statt Opt-out machen würde.

Update: Facebook hat das Zitat für Fusion mittlerweile widerrufen. Zuvor hatte das Unternehmen nach Angaben von Fusion zweimal bestätigt, dass die Standortdaten wie im Artikel beschrieben genutzt werden. Der gesamte Vorgang ist in einem neuen Artikel bei Fusion nachzulesen.

Wie die ansonsten schwer erklärbaren Freundesempfehlungen ohne die Standortdaten zustande kommen, erklärt Facebook allerdings nicht.