Mark Zuckerberg ist keine Echse. Das hat der Facebook-CEO vor Kurzem noch einmal ausdrücklich bestätigt. Auch sonst setzt der 32-Jährige vieles daran, möglichst alltäglich zu sein. Er trägt noch immer die gleichen langweiligen Jeans und T-Shirts wie vor zehn Jahren, er ist wie jeder junge Vater stolz, dass er die Windeln seiner Tochter wechseln kann, er fällt von Fahrrädern und bricht sich dabei den Arm, lernt in seiner Freizeit mal eben Mandarin und klebt selbstverständlich die Webcam seines Laptops ab.

Letzteres wissen wir seit Dienstag. In einem Beitrag auf Facebook gratulierte Zuckerberg der Fotoplattform Instagram, die zu seinem Unternehmen gehört, zu 500 Millionen monatlichen Nutzern. Interessanter als den putzigen Kartonausschnitt eines Instagram-Posts, den Zuckerberg vor seine Nase hält, fanden viele Menschen aber den Arbeitsplatz im Hintergrund. Dort steht nämlich ein Laptop, dessen Kamera und Mikrofon abgeklebt sind, wie die Adleraugen auf Twitter schnell erkannten. Und offenbar handelt es sich dabei tatsächlich um Zuckerbergs Schreibtisch, denn vor einigen Monaten zeigte er ihn schon einmal in einem Video.

"Wow, Zuckerberg is paranoid as fuck", schrieb daraufhin William Turton vom US-Technikblog Gizmodo und stimmte in die allgemeine Belustigung in den sozialen Netzwerken mit ein. Denn klar, es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der Facebook-CEO seine Webcam abklebt. Schließlich fordert sein Unternehmen die Nutzer ständig auf, möglichst viele Bilder und Livevideos aus ihrem Alltag aufzunehmen, gewissermaßen stets auf Sendung zu sein und sich nicht so viele Gedanken über ihre Privatsphäre zu machen.

Aber ist Zuckerberg deshalb paranoid? Oder nicht eben doch, nun ja, völlig normal?

Gesellschaftskonformes Abkleben

Nicht nur ich, sondern auch viele Kollegen in der Redaktion haben die Webcam ihres Laptops verdeckt. Das gleiche Bild gibt es in den Berliner Cafés, in der Bahn, und ich kenne mindestens fünf Freunde, die wenig über Technik und Datenschutz nachdenken, aber ebenfalls Klebeband vor die Kameralinse heften. "Was vor fünf Jahren noch als wahnhaft gelten konnte, ist mittlerweile gesellschaftskonform", hieß es vergangenes Jahr in einem Beitrag auf Krautreporter.

Die abgeklebte Linse ist der Datenschutz des kleinen Menschen. Kostet praktisch nichts, sorgt aber ebenso wie ein installierter Virenscanner zumindest für ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Das haben auch Marketingabteilungen erkannt: Sowohl auf dem SXSW-Festival in Austin als auf der jüngsten re:publica in Berlin verteilten mehrere IT-Firmen schicke Webcam-Aufkleber. Die Fernsehserie Mr. Robot, die von Hackern handelt, verschenkte zum Auftakt der zweiten Staffel entsprechende Vorrichtungen an Journalisten und die Bürgerrechtsorganisation EFF verkauft einen Stickerpack auf ihrer Website.

Wann das Interesse am Kleben genau begann, ist schwer zu sagen. Datenschutzbewusste PC-Nutzer tun es seit überhaupt erstmals Webcams in die Laptops kamen. In der breiten Öffentlichkeit aber könnten einzelne Meldungen aus den vergangenen drei, vier Jahren ausschlaggebend gewesen sein. Denn selbst wenn es unwahrscheinlich ist, dass ein gewöhnlicher Nutzer über seine Webcam ausspioniert wird – unmöglich ist es nicht.