Sie sind nicht bei Facebook? Sie nutzen auch keine Dienste von Facebook wie Instagram oder WhatsApp. Und wenn sie den Begriff Oculus hören, denken Sie an Ferngläser? Glückwunsch, dann teilen Sie fast keine Daten direkt mit Facebook. Die Betonung liegt auf fast, denn seit vergangener Woche hat es das Unternehmen noch einmal stärker auf die Daten von Nicht-Mitgliedern seiner Dienste abgesehen.

Wie Facebook ankündigte, möchte man den Internetnutzern künftig "bessere Werbung" zeigen. Dazu baut Facebook sein sogenanntes Audience Network aus. Das gibt es bereits seit zwei Jahren. Es ermöglicht Partnern und Vermarktern, den Nutzern personalisierte Werbung auch außerhalb des Netzwerks anzuzeigen, also auf externen Websites oder in Apps. Für Facebook ist das wichtig, denn es verdient sein Geld mit Werbung und wächst vor allem im mobilen Anzeigengeschäft.

Bislang betraf personalisierte Werbung im Audience Network nur registrierte Facebook-Nutzer: Sie teilen aufgrund ihrer Likes, ihrer Freunde und Stammdaten wie Alter, Geschlecht und Standort ihre persönlichen Daten und Vorlieben mit dem Netzwerk. Darauf basierend spielt Facebook entsprechende Werbung aus – sowohl in der persönlichen Timeline als auch auf den Websites Dritter. Das funktioniert über Cookies, die bei jedem Besuch einer Website Informationen über den Besucher speichern und ihn auch über viele Websites hinweg identifizieren können. Ein Beispiel: Wer in Facebook eingeloggt ist und anschließend eine Seite des Audience Networks besucht, bekommt auch dort angepasste Werbeanzeigen von Facebook ausgespielt.

Das Gleiche gilt nun für Nicht-Facebooknutzer. Auch sie werden künftig über Facebooks Cookies – die häufig mit dem Like-Button auf Websites verknüpft sind – analysiert. Das ist nicht ungewöhnlich, viele verschiedene Unternehmen und Vermarkter tun so etwas bereits seit Jahren. Doch im Gegensatz zu anderen kann Facebook diese Daten mit der Erfahrung von mehr als 1,5 Milliarden Nutzern abgleichen, sagt der verantwortliche Manager Andrew Bosworth, es hat also einen technischen Vorsprung. Die Idee: Bessere Auswertung führt zu besseren Anzeigen führt zu mehr Klicks und damit zu mehr Umsatz. Gleichzeitig will Facebook mit seiner Initiative garantieren, dass mehr hochwertige und möglichst unaufdringliche Werbung zu den Verbrauchern kommt.

Einstellungen in Facebook überprüfen

Alle halbwegs datenschutzbewussten Nutzer dürften trotzdem wenig erfreut sein, dass nun auch Facebook sie stärker im Visier hat. Aber es gibt eine zaghaft gute Nachricht: Man kann die Cookies zumindest eindämmen und personalisierte Facebook-Werbung (und die von anderen Anbietern) deaktivieren. So geht's:

Facebooknutzer hatten bereits die Möglichkeit, interessensbasierte Werbung auf der Plattform auszustellen, und zwar unter Einstellungen -> Werbeanzeigen. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, die Einstellung noch einmal zu überprüfen, denn seit vergangener Woche gibt es dort eine zusätzliche Option: Sie bestimmt, ob die bisherigen Einstellungen für Werbeanzeigen (also ob personalisiert oder nicht) auch auf Websites und in Apps genutzt werden können, die nicht zu Facebook gehören. Standardmäßig ist hier "Ja" eingestellt, was einige Nutzer kritisieren: Denn auch wenn es die bisherigen Präferenzen nicht verändert, sondern bloß um eine Option erweitert, sollte Facebook die Nutzer zumindest darauf hinweisen.

In Facebook gibt es nun eine zusätzliche Einstellung. © Screenshot/ZEIT ONLINE

Wer jedenfalls keine angepasste Werbung möchte, sollte beide Einstellungen auf "Nein" setzen. Wohlgemerkt bedeutet die Deaktivierung nicht, dass Facebook gar keine Werbung anzeigt. Auch bedeutet es nicht, dass Facebook nicht im Hintergrund die Aktivitäten der Nutzer auswertet. Es bedeutet lediglich, dass sie nicht mit den Werbetreibenden geteilt werden und dass die Facebooknutzer auf externen Websites wie Nicht-Mitglieder behandelt werden, also gewöhnliche Anzeigen ausgespielt bekommen.

Opt-Out-Cookies setzen

Wer kein Facebooknutzer ist, muss sich über Umwege helfen. Facebook selbst weist in seinen FAQ auf die Website der Digital Advertising Alliance hin. Dort können Nutzer einstellen, dass sie von teilnehmenden Firmen – darunter auch Facebook – nicht getrackt werden möchten. Dazu wird auf dem Rechner ein zusätzliches Cookie mit dieser Information gespeichert. Es gibt noch weitere Dienste, etwa die Network Advertising Initiative oder das europäische Projekt YourOnlineChoices, die einen ähnlichen Dienst anbieten.

Diverse Dienste bieten gesammelte Opt-Out-Cookies an. © Screenshot/ZEIT ONLINE

Ganz sicher ist das Prinzip nicht: So gelten die Einstellungen jeweils nur für das Gerät und den Browser, auf dem die Cookies hinterlegt sind. Wer häufig Geräte wechselt, seine Browserhistorie löscht oder auch seinen Computer neu aufsetzt, muss immer wieder der personalisierten Werbung widersprechen. Und ob sich die Unternehmen dann auch tatsächlich daran halten, lässt sich für Laien nur schwer nachvollziehen.

Browser-Add-ons nutzen

Eine zusätzliche Option ist deshalb der Gebrauch von Browser-Add-ons wie Disconnect, Ghostery (auch wenn es Kritik an dessen Geschäftsmodell gibt) oder Privacy Badger. Sie alle zeigen auf jeder besuchten Website die vorhandenen Cookies an und ermöglichen den Nutzern, diese entweder zu erlauben oder zu blockieren. Zudem funktionieren sie teilweise auch als Werbe- und Inhalteblocker, wenn etwa Websites Daten von externen Dienstleistern oder Plattformen einbinden.

Privacy Badger gibt es für Chrome und Firefox. © Screenshot/ZEIT ONLINE

Wir empfehlen an dieser Stelle Privacy Badger, das von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) entwickelt wird, und das es sowohl für Firefox als auch Chrome gibt. Große Einstellungen sind nach der Installation nicht nötig; das Add-on blockiert bereits von sich aus die meisten bekannten Tracker. Wer einzelne erlauben möchte, etwa weil auf einer Website Inhalte wie Videos oder Widgets nicht geladen werden, kann diese einfach per Schieberegler einstellen. Auch bei diesem Prinzip gilt: Die Add-ons müssen für jeden Browser auf jedem Gerät installiert werden. 

Einstellungen in iOS und Android überprüfen

Auf mobilen Geräten ist es etwas einfacher. In iOS gibt es unter Einstellungen -> Datenschutz -> Werbung die Option, das Ad-Tracking zu deaktivieren. Das betrifft alle Apps, die diese Technik einsetzen. Unter Android finden Nutzer eine ähnliche Option in den Einstellungen unter Konten -> Google -> Anzeigen, wobei sich der genaue Ort aber von Hersteller zu Hersteller unterscheiden kann.

Einstellungen in iOS und Android © Screenshot/ZEIT ONLINE