Als Facebook vor zwei Jahren den Messaging-Dienst WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar übernahm, war sich dessen Gründer Jan Koum noch ziemlich sicher: WhatsApp werde keine Daten über die Nutzer mit dem sozialen Netzwerk teilen, es werde auch keine Werbung geben und Privatsphäre stehe weiterhin an erster Stelle. "Wir streben eine Partnerschaft an, die es uns erlaubt, unabhängig und autonom zu operieren", schrieb Koum.

Schon damals zweifelten Kritiker daran, dass sich Koums Anspruch mittelfristig durchsetzen ließe. Mit mehr als einer Milliarde aktiven Nutzern ist WhatsApp ein gigantisches Telefonbuch und Facebook wäre doch wahnsinnig, dieses Potenzial nicht in irgendeiner Form ausschöpfen zu wollen. Schließlich gibt das soziale Netzwerk nicht einfach 19 Milliarden Dollar aus, um einen Dienst zu betreiben, der praktisch keinen Umsatz erzielt.

Jetzt sollen die Kritiker Recht bekommen. WhatsApp wird künftig Nutzerdaten mit der Facebook-Mutter teilen. Das gab das Unternehmen am Donnerstag mit der Ankündigung neuer Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen bekannt, die es hier im Detail zu lesen gibt. Es betrifft sowohl die Handynummern der WhatsApp-Nutzer als auch einzelne Gerätedaten.

Abgleich mit Werbedatenbanken

WhatsApp spricht davon, Daten über Dienste hinweg zu koordinieren. Was bedeutet das konkret? Facebook-Nutzer können, müssen aber derzeit keine Handynummer in ihrem Profil eintragen. Wer es tut und gleichzeitig WhatsApp nutzt, zeigt Facebook somit, dass hinter beiden Accounts der gleiche Nutzer steckt. Gleichzeitig sollen Analysedaten, etwa welches mobile Betriebssystem und wie häufig die App genutzt werden, übermittelt werden.

Facebook wiederum plant, diese Informationen sowohl für bessere Vorschläge in der Freundesliste als auch zu Werbezwecken zu nutzen. Es will dabei die Telefonnummern ausdrücklich nicht mit Dritten teilen oder gar verkaufen. Sondern lediglich mit anderen, internen Datenbanken abgleichen.

Ein Beispiel beschreibt die Nachrichtenagentur Associated Press: Ein WhatsApp-Nutzer hat bereits seine Telefonnummer bei einem Unternehmen, etwa einem Versandhändler hinterlegt. Der Versandhändler wiederrum schaltet Werbung auf Facebook und lädt über das Custom-Audience-Programm eine verschlüsselte Kundenliste hoch. Facebook gleicht diese Liste mit der eigenen Datenbank ab. Gibt es eine Übereinstimmung der Telefonnummern, könnte der jeweilige Nutzer personalisierte Angebote des Versandhändlers bekommen. Wie genau das aussehen könnte, ist noch unklar. Denn klassische Werbeeinblendungen soll es auf WhatsApp auch in Zukunft nicht geben.

Mit den neuen Richtlinien erlaubt es WhatsApp allerdings erstmals, dass Unternehmen individuelle Nutzer kontaktieren können. So könnte eine Fluggesellschaft künftig einen Kunden über WhatsApp über Verspätungen oder Veränderungen informieren. Bislang waren solche Angebote in dem Chatdienst untersagt. Doch in Zeiten von Chatbots sieht sich WhatsApp offenbar dazu gezwungen, die Plattform neuen Einkommensquellen zu öffnen. Die Nutzer sollen entsprechende Nachrichten kontrollieren oder blockieren können.