Anfang Juli hatte es Facebook angekündigt, nun ist es für alle Nutzer verfügbar: Im Messenger von Facebook gibt es in der neusten Version verschlüsselte Chats. Damit ist es weder Facebook noch Behörden möglich, die privaten Nachrichten zwischen zwei Nutzern mitzulesen. Bislang wurden sämtliche Nachrichten auf den Facebook-Servern im Klartext gespeichert.

Nachdem Facebooks zweiter Messagingdienst WhatsApp die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bereits im April einführte, stand der Messenger diesbezüglich unter Zugzwang. "Wir haben gehört, dass die Nutzer bisweilen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wollen", hieß es im Blogbeitrag aus dem Juli. Die bekommen sie nun.

Wer den Facebook Messenger auf die neuste Version updatet, hat in den Einstellungen standardmäßig die Option "Geheime Unterhaltungen" aktiviert. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass künftig alle Chats verschlüsselt sind. Für jeden Kontakt müssen Nutzer die geheime Unterhaltung anschließend manuell aktivieren, der verschlüsselte Chat läuft dann neben dem normalen ab und ist durch ein kleines Schlosssymbol im Profilbild des Chatpartners gekennzeichnet.

Keine Videos, keine Gruppenchats

In den Einstellungen lassen sich alle geheimen Unterhaltungen auf einen Schlag wieder löschen. Andere Chats sind davon nicht betroffen. Zudem lassen sich verschlüsselte Nachrichten mit einem Timer versehen, sodass sie nach einer gewünschten Zeit von selbst gelöscht werden.

Weil die notwendigen Schlüssel auf den einzelnen Geräten gespeichert sind, werden verschlüsselte Nachrichten nicht synchronisiert. Wer also einen geheimen Chat auf dem Smartphone startet, kann ihn später nicht auf dem Tablet oder im Browser auf dem Laptop sehen oder weiterführen – die Browserversion und der Facebook-Chat auf der Website unterstützen die Verschlüsselung ohnehin noch nicht. Bilder zu versenden, ist in verschlüsselten Chats, Gifs, Videos oder Sprachnachrichten ebenfalls nicht möglich. Auch Gruppenchats funktionieren derzeit nur unverschlüsselt.

Facebook erklärt, die Verschlüsselung sei nicht standardmäßig aktiviert, weil es der ursprünglichen Idee des Dienstes widerspreche. Weil viele Messengernutzer verschiedene Geräte nutzen, sei es schlicht nicht komfortabel, Nachrichten auf einzelne Geräte zu beschränken.

Künstliche Intelligenz steht Vollverschlüsselung im Weg

Datenschützer sehen das anders. Damit sichere Kommunikation zum Alltag wird, sollte sie nicht optional, sondern standardmäßig aktiviert sein. Die gleiche Kritik gab es an Googles neuem Chatdienst Allo, der ebenfalls nur eine Verschlüsselung auf Wunsch anbietet. Das sei halbherzig, inkonsequent und unzeitgemäß, hieß es daraufhin von den Kritikern.

Aus Sicht von Google und Facebook aber ist die Entscheidung möglicherweise alternativlos. Während WhatsApp tatsächlich bloß ein klassischer Chatdienst ist, hat Facebook mit seinem Messenger größere Pläne. Die Einführung von Chatbots soll den Dienst künftig zur Anlaufstelle für E-Commerce, Nachrichten und Unterhaltung machen. Statt einzelne Apps zu nutzen, sollen die Nutzer künftig einfach den Chatbot eines Nachrichtenportals abonnieren oder den der Fluggesellschaft.

Damit die Chatbots schlauer werden, müssen sie die Nutzereingaben und -anfragen auf den Servern auswerten. Das geht nicht, wenn die Daten verschlüsselt sind. Die künstliche Intelligenz, mit der Facebook und Google seine Dienste in Zukunft für Nutzer verbessern möchten, steht also gewissermaßen der sicheren Kommunikation im Weg. Am Ende liegt es im Ermessen der Nutzer, ob sie lieber abhörsicher(er) chatten und dafür auf Komfort verzichten. Oder ob Chatbots und der Versand von Gifs für sie unerlässlich sind.