WhatsApp teilt künftig Telefonnummern mit Facebook. Das gab das Unternehmen vor Kurzem bekannt und sorgte damit für Unmut unter vielen Nutzern. Schließlich funktionierte WhatsApp, obwohl es seit 2014 zu Facebook gehört, bislang weitgehend autonom. Nun aber werden beide Dienste stärker verzahnt. Mit dem Datenaustausch sollen sowohl die Werbeanzeigen als auch die Freundessuche von Facebook verbessert werden.

Nicht nur Nutzer kritisieren die Entscheidung. Wie der Spiegel am Freitag berichtete, soll sich nun die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit der Sache beschäftigen, genauer gesagt mit der Übernahme von WhatsApp durch Facebook vor zwei Jahren. Die Kartellbehörden genehmigten diese auf der Grundlage, dass kein Datenaustausch zwischen beiden Unternehmen stattfinden würde. "Wir reden mit Facebook über das Thema", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Nun ist es zwar möglich, in den WhatsApp-Einstellungen zu untersagen, die Daten für personalisierte Werbung zu verwenden. An Facebook übertragen werden sie aber trotzdem, wie in den FAQ steht. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar bemängelt das im Gespräch mit golem.de: "Den wenigsten Nutzern wird klar sein, dass dennoch einige Daten mit Facebook geteilt werden, unabhängig davon, ob das Häkchen gesetzt ist oder nicht." Caspar kritisiert zudem einen weiteren Passus in den neuen Richtlinien von WhatsApp, der dem Dienst das Auslesen der auf dem Smartphone gespeicherten Kontaktliste – und damit auch Informationen über Nicht-WhatsApp-Nutzer – erlaubt.

Facebook-Apps synchronisieren Adressbücher

Vor allem für Menschen, die bislang zwar WhatsApp, aber nicht Facebook nutzen, sind die geänderten Richtlinien ärgerlich. Schließlich teilen sie künftig ihre Mobilfunknummer mit dem sozialen Netzwerk, obwohl sie dort überhaupt nicht angemeldet sind. Für bestehende Facebook-Nutzer mag sich weniger ändern – sie teilen schließlich ohnehin durch ihre Nutzung viele Daten mit der Plattform – aber viele entschieden sich bewusst dagegen, ihre Telefonnummer anzugeben.

Dass Facebook Telefonnummern aus dem Smartphone der Nutzer auf die eigenen Server überträgt, ist übrigens nicht neu. Im Gegenteil, bereits seit Jahren synchronisieren die Facebook-Apps die Adressbücher der Nutzer, was bereits 2011 die deutschen Datenschützer hinsichtlich der Freunde-finden-Funktion auf den Plan rief: Damals bekamen Nichtmitglieder plötzlich E-Mails von Facebook, ohne dass sie wussten, wie das Netzwerk an ihre Kontaktdaten kam. Auf Drängen der Datenschützer musste Facebook diesen Prozess transparenter machen.

Die aktuelle Debatte um WhatsApp ist eine gute Gelegenheit, zu überprüfen, welche Kontaktdaten man bislang mit Facebook geteilt hat, und eine Gelegenheit, die Einstellungen zu ändern. Hinter diesem Link findet sich die sogenannte Invite History, die alle bislang hochgeladenen Kontakte enthält, sowohl über Facebook als auch den Facebook Messenger. Wie das Onlineportal Fusion schreibt, können in dieser Liste sogar Kontakte auftreten, die bereits vor Jahren übermittelt wurden. Nutzer haben auf der Seite die Möglichkeit, einzelne oder alle Kontakte zu löschen. Die auf dem Smartphone gespeicherten Informationen bleiben davon unberührt. 

Die hochgeladenen Messenger-Kontakte in der Invite History