Snapchat, die App, die verschickte Fotos verschwinden lässt, ist ein Hit bei Jugendlichen und Mittzwanzigern. Wirtschaftlich will das dahinter stehende Start-up Snap künftig aber bei den ganz Großen mitspielen.

Wie das Wall Street Journal berichtet, plant das Unternehmen spätestens im März an die Börse zu gehen. Mit dem Gang aufs Parkett will Snap dem Bericht zufolge eine Bewertung von 25 Milliarden Dollar erreichen. Sprecher des Start-ups erklärten, sie wollten Gerüchte nicht kommentieren.

Es wäre der größte Börsengang seit Alibaba. Das chinesische Unternehmen wurde vor zwei Jahren mit 168 Milliarden Dollar bewertet. Schon heute zieht der IPO-Markt wieder an. Laut der Risikokapitaldatenbank CB Insights wurden im zweiten Quartal 2016 erstmals mehr Unicorns – Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar – verkauft oder an die Börse gebracht, als neue entstanden sind. Der Unicorn-Berg könnte also langsam abgetragen werden.

Vom Silicon Beach an die Wall Street

Angefangen hat die Geschichte von Snap nicht in einer Garage, wie im Silicon Valley üblich, sondern in einem verträumten Strandbungalow in Venice Beach, dem legendären Paradies für Surfer, Künstler, Poeten und braun gebrannte Exzentriker in Boxershorts vor den Toren von Los Angeles. Aus dem knappen Dutzend Angestellten wurden dann schnell Hunderte, immer mehr Gebäude wurden angemietet.

Was früher eine relaxte Meile für verrückte Typen war, heißt heute Silicon Beach, und immer mehr Start-ups und Internetgrößen zieht es in die Küstengegend von LA. Google ist in der Nähe, YouTube hat einen riesigen Studiokomplex, in dem Howard Hughes früher Hubschrauber bauen ließ. Spieleriese Electronic Arts residiert im mondänen Marina del Rey mit seinen weißen Jachten. Aber das sind alles Zugereiste. Mit Snapchat gäbe es zum ersten Mal einen Milliardenzahltag für ein Hightechunternehmen, das in Südkalifornien gegründet wurde.

Snap Inc. wird mit 25 Milliarden Dollar bewertet

Die App wurde bekannt durch ihre selbstlöschenden Nachrichten. Ein Foto verschickt an einen Freund oder Freundin vernichtet sich selbst nach einer gewissen Zeit und gibt so das trügerische Gefühl von Kommunikationssicherheit. Es verspricht aber auch eine Spontanität, wie sie vor allem Teenager und Twens lieben gelernt haben. Aus den Anfängen erwuchs eine florierende Werbemaschinerie, mittlerweile gibt es auch Werbevideos und einen Discover-Channel, auf dem Medienunternehmen Stories und bezahlte Snap-Ads laufen lassen.

Die vom Wall Street Journal kolportierte Bewertung von 25 Milliarden Dollar ist dabei gar nicht so unrealistisch, wie man auf den ersten Blick meinen mag. Twitter ist an der Börse rund 17 Milliarden Dollar wert. Und Snapchat hat mit 150 Millionen täglichen Nutzern jetzt ungefähr so viele wie der Kurznachrichtendienst aus San Francisco. Twitter allerdings wächst nicht mehr, Snapchat immer noch kräftig. Vorausgesetzt der Zuwachs hält bis zum Börsengang an, wäre ein Aufschlag von acht Milliarden Dollar denkbar.