Menschen, die ihre Wohnung von jemandem putzen lassen, sind glücklicher als jene, die es selbst tun. So steht es in dieser aktuellen Studie kanadischer Forscher. Der wenig überraschende Grund: Wer nicht selbst putzt, hat mehr Zeit für schöne Dinge.

In Zukunft müsste die Fragestellung möglicherweise angepasst werden: Wären sie auch dann glücklich, wenn die Putzkraft eine exakte Zeichnung ihrer Wohnung inklusive aller Gegenstände darin anlegt und an jemand anderen weitergibt?

Denn das ist ziemlich genau das, was Colin Angle, dem CEO von iRobot vorschwebt. Sein Unternehmen entwickelt und verkauft die wohl bekanntesten aller Staubsauger-Roboter, die Roombas. In den nächsten paar Jahren, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, könnte iRobot nicht nur mit Dreck, sondern auch mit Daten Geschäfte machen.

Was Apple, Amazon oder Google mit den Daten anfangen könnten

Schon jetzt kartieren die teuersten Roombas beim Saugen die ganze Wohnung. Dank Infrarot-, Laser- und anderer Sensoren sowie Kameras wissen die Geräte nicht nur, wo sie gerade sind, sondern sie merken sich auch, wo sich Hindernisse befinden. Simultaneous localization and mapping, kurz Slam, heißt die Technik. Sie ermöglicht es Saugrobotern, zwischendurch zu ihrer Ladestation zurückzufahren und nach dem Aufladen dort weiterzusaugen, wo sie aufgehört haben.

Diese Karten und Daten, sagte Angle, könnten andere Geräte im Smart Home gut gebrauchen: "Es gibt ein ganzes Ökosystem von Dingen und Diensten, die das Smart Home leisten kann, sobald es eine detaillierte, vom Nutzer freigegebene Karte des Hauses hat." Was er damit meint: Lautsprecher wie Apples HomePod könnten sich besser an die Akustik eines Zimmers anpassen, Klimaanlagen den Luftstrom intelligenter regulieren, Beleuchtungssysteme je nach Lage von Fenstern und Tageszeit die Helligkeit der Lampen automatisch anpassen. Abgesehen davon könnten die Daten auch für Werbetreibende interessant sein, wie zum Beispiel Möbelhäuser.

Bereits 2015 hatte Angle mit ganz ähnlichen Gedanken gespielt. Die Slam-Technik von iRobot befand sich damals noch in der Entwicklung, aber das fertige Szenario hatte der CEO schon im Kopf: Das Smart Home solle die Absichten seiner Bewohner vorausschauend erkennen, abhängig von ihrer Position beziehungsweise Nähe zu den einzelnen vernetzten Komponenten. Dafür bräuchte es eine dreidimensionale Karte, in der alle smarten Geräte verzeichnet sind.

Einwilligung der Nutzer soll eingeholt werden

Mittlerweile gibt es mit Amazons Echo, Google Home und ab Jahresende dem HomePod von Apple attraktive Steuerungszentralen für das Smart Home. Angle hält es deshalb für möglich, in den nächsten Jahren ein Geschäft mit Amazon, Apple oder Google abzuschließen. Einem der drei Unternehmen will er die Roomba-Daten überlassen. Laut Reuters richtet Angle seine ganze Unternehmensstrategie dahin gehend aus. Die angesprochenen Unternehmen äußern sich dazu nicht. Roombas lassen sich aber bereits über Amazons Echo und den Google Assistant sprachsteuern

Update vom 31.7.: Reuters hatte zunächst berichtet, Angle überlege, die Daten zu verkaufen. So stand es auch in diesem Artikel. Mittlerweile hat Reuters den Abschnitt geändert, nun heißt es dort, Angle könne sich vorstellen, die Daten mit einem der gennnten Unternehmen zu teilen – sofern die Nutzer das erlauben. Von Verkaufen ist nicht mehr die Rede. Dieser Artikel wurde entsprechend angepasst.

iRobot möchte vermeiden, dass seine Kunden und Investoren künftig an kreisrunde Kundschafter im Haushalt denken, an saugende Spione oder eine neue Art von evil maid attack, also einem heimlich schnüffelnden Zimmermädchen.