Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaats Massachusetts hat Ermittlungen gegen die Datenanalysefirma Cambridge Analytica eingeleitet, die Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte. Die Generalstaatsanwältin von Massachusetts, Maura Healey, twitterte: "Die Bewohner von Massachusetts erwarten umgehend Antworten von Facebook und Cambridge Analytica. Wir beginnen mit Ermittlungen." Die britische Zeitung Observer und die New York Times hatten zuvor berichtet, das Datenanalyseunternehmen habe private Informationen von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern ausgewertet und damit möglicherweise gegen das Datenschutzrecht verstoßen.

Cambridge Analytica bekam die Daten den Berichten zufolge von einem russisch-amerikanischen Wissenschaftler. Dieser hatte eine App programmiert, die Nutzern eine Persönlichkeitsauswertung auf Basis ihrer Facebook-Daten anbot. 270.000 Menschen haben laut Facebook die App heruntergeladen – und damit zugestimmt, dass der Wissenschaftler ihre Daten nutzen darf. Die App sammelte jedoch offenbar auch die Daten von den Freunden der App-Nutzer. 

Umstrittene Methode

Den Zeitungsberichten zufolge gab der Wissenschaftler den Datensatz an Cambridge Analytica weiter. Facebook sah darin einen Verstoß gegen seine Regeln und forderte eigenen Angaben zufolge 2015 die Löschung der Daten. Nun habe man Hinweise erhalten, dass möglicherweise nicht alle Daten gelöscht worden seien, teilte Facebook mit. Aus diesem Grund sei Cambridge Analytica von Facebook suspendiert worden.  

Im US-Kongress wurde die Forderung nach schärferen Auflagen für Facebook laut. Es sei deutlich geworden, dass die Internetdienste sich nicht selbst regulieren könnten, schrieb die Senatorin Amy Klobuchar auf Twitter. "Sie haben gesagt, 'vertraut uns'. Mark Zuckerberg muss vor dem Justizausschuss des Senats aussagen", sagte die Demokratin über den Facebook-Chef. Ihr Parteikollege Mark Warner verglich die Lage in der Onlinewerbebranche mit dem Wilden Westen. Es sei klar, dass "dieser Markt weiter anfällig für Betrug und von mangelhafter Transparenz geprägt sein wird, wenn er unreguliert bleibt".

Cambridge Analytica hatte nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Schweizer Magazin angegeben, Psychogramme von 220 Millionen US-Bürgern erstellt zu haben. Diese Persönlichkeitsprofile seien für die gezielte Ansprache von Wählerinnen und Wählern auf Facebook genutzt worden. Der Darstellung im Magazin zufolge hatte das Unternehmen mithilfe dieses Modells die US-Wahl entschieden. Auch das Unternehmen selbst kommunizierte, dass es eine entscheidende Rolle im Wahlkampf gespielt habe. 

Diese Schlussfolgerung wurde allerdings stark kritisiert, die tatsächliche Wirkung der Methode ist umstritten. Auch bei ZEIT ONLINE wurde kritisiert, die Behauptungen seien nicht zu belegen. Später sagten Führungskräfte von Cambridge Analytica, dass das Unternehmen für Trumps Wahlkampf gar keine Persönlichkeitsprofile erstellt habe.