Nach umstrittenen Äußerungen zu politischen Einflussnahmemöglichkeiten hat die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica ihren Chef Alexander Nix suspendiert. Nix werde bis zu einer vollständigen, unabhängigen Untersuchung mit sofortiger Wirkung von seiner Aufgabe entbunden, teilte das Unternehmen mit. Von einem Reporter heimlich mitgeschnittene Aussagen des Geschäftsführers würden "nicht die Werte des Unternehmens repräsentieren".

Cambridge Analytica war in Kritik geraten, nachdem Nix vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für einen Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. Daraufhin sagte ihm Nix, man könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken", um belastende Informationen über politische Gegner zu beschaffen. Eine weitere Möglichkeit sei Erpressung: Man könne den Gegner bestechen und ihn später mit Filmmaterial des Bestechungsvorganges erpressen.

Neben den Äußerungen von Nix ist die Datenanalyse-Firma auch wegen eines Datenmissbrauchvorwurfs unter Druck. Das Unternehmen habe unrechtmäßig erhaltene Facebook-Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte Facebook. Nach Informationen der New York Times und des Guardian sollen einige Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Mitgliedern zu Cambridge Analytica gelangt sein. Um sie zu sammeln, wurde eine Umfrage zu Persönlichkeits-Merkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

Mithilfe der Daten soll Cambridge Analytica im US-Wahlkampf 2016 auf Facebook politische Anzeigen geschaltet haben, die auf einzelne Nutzer zugeschnitten wurden und damit besonders effektiv waren. Die individuelle Ansprache von Wählern über die sozialen Netzwerke galt als einer der Schlüssel für Donald Trumps Wahlsieg. Infolgedessen hatte Facebook Cambridge Analytica am Wochenende vom Zugriff seiner Daten abgeschnitten. Die Europäische Union forderte Facebook-Chef Mark Zuckerberg dazu auf, sich persönlich zu den Vorwürfen zu erklären. Cambridge Analytica selbst bestreitet, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet zu haben.