Angesichts der Vorwürfe um massiven Datenmissbrauch ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg von mehreren Seiten dazu aufgefordert worden, sich persönlich zu äußern. Der EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani twitterte, das Parlament habe Zuckerberg "eingeladen". Der Unternehmenschef müsse "vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren".   

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica an einige Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen war. Um sie zu sammeln, hatte ein Professor eine Umfrage zu Persönlichkeitsmerkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica. 

Auch der Bundestag fordert deshalb eine Erklärung von Facebook: "SPD und Union werden für Freitag eine Sondersitzung des Ausschusses für Digitale Agenda beantragen", sagte der IT-Experte der Unionsbundestagsfraktion, Thomas Jarzombek. "Wir wollen Facebook befragen, ob auch deutsche Nutzer betroffen sind und ob vergleichbare Mechanismen auch für deutsche Nutzer eine Gefahr ihrer Daten bedeuten." Bereits am Montag hatte der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Konstantin von Notz zu Reuters gesagt, dass er einen Bericht der Bundesregierung im Innenausschuss beantragt habe.  

"Katastrophales Versagen"

Bundesjustizministerin Katarina Barley forderte Facebook auf, zu erklären, wie es die Privatsphäre seiner Nutzer künftig besser schützt. "Wenn die persönlichsten Interessen von Millionen Facebook-Nutzern für die Trump-Kampagne ausgeforscht wurden, dann ist das eine neue Qualität des Missbrauchs persönlicher Daten", sagte Barley der Passauer Neuen Presse.

In Großbritannien beschäftigt sich ein britischer Parlamentsausschuss mit dem Fall. Dieser fordert eine Aussage von Facebook-Chef Zuckerberg: "Es ist jetzt an der Zeit, von einem hochrangigen Facebook-Manager zu hören, der genug Autorität hat, um einen akkuraten Bericht über dieses katastrophale Prozessversagen zu liefern", sagte Damian Collins, der Vorsitzende des Medienausschusses. "Ich hoffe, dass Sie dieser Vertreter sein werden", schrieb Collins an Zuckerberg. Der Parlamentsausschuss habe Facebook wiederholt gefragt, wie das Unternehmen Daten verwende, und Facebook-Vertreter hätten den Ausschuss getäuscht.

In Irland, wo Facebook seinen europäischen Hauptsitz hat, kündigte die zuständige Datenschutzbehörde an, bei Facebook nachzufragen, ob der Konzern die Nutzung von Daten durch Appentwickler hinreichend kontrolliert. In den USA forderte unter anderem der republikanische Senator John Kennedy von Zuckerberg, dem Kongress zu den Aktivitäten seines Konzerns Frage und Antwort zu stehen.

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt

Durchsuchungsbefehl für Cambridge Analytica beantragt

Bislang gibt es von Zuckerberg keine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Jedoch sperrte das Unternehmen in der Folge der Berichte die Analyse-Firma aus, weil sie die unrechtmäßig erhaltenen Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht habe. Dies geht vielen jedoch noch nicht weit genug. Viele Politiker zeigten sich entsetzt darüber, dass es für Cambridge Analytica überhaupt möglich war, so leicht nicht nur an Informationen der Nutzer zu kommen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, sondern auch an Informationen von deren Freunden.

Die britische Datenschutzbehörde hat mittlerweile einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica beantragt. Die Firma habe innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert, sodass die Behörde nun gerichtlich versuche, auf den Systemen der Beratungsfirma Beweise zu sichern, wie das Information Commissioner's Office britischen Medien zufolge mitteilte. Facebook habe eine eigene Untersuchung bei der britischen Firma, zu der Berichten zufolge Facebook-Analysten nach London gereist waren, auf Wunsch der Behörde abgebrochen. "Solch eine Suche hätte das Potenzial, eine behördliche Untersuchung zu gefährden", sagte eine Sprecherin der Datenschutzbeauftragten Elizabeth Denham dem Guardian.

Cambridge Analytica unterstützte Donald Trump im US-Wahlkampf 2016 und soll mithilfe von personalisierter Facebook-Werbung Wahlentscheidungen beeinflusst haben. So haben sich nach Informationen des britischen Fernsehsenders Channel 4 Manager von Cambridge Analytica damit gebrüstet, weltweit Wahlen mithilfe digitaler Manipulation und politischer Täuschungen beeinflussen zu können.

Am Tag nach Veröffentlichung der verdeckten Recherchen suspendierte Cambridge Analytica den CEO Alexander Nix mit sofortiger Wirkung. Es werde eine "vollständige, unabhängige Untersuchung" eingeleitet, schrieb der Vorstand in einer Mitteilung. Nix' jüngste Aussagen spiegelten nicht die Werte und Handlungen des Unternehmens wider.