Wohnort, geteilte Beiträge, Likes, Arbeitgeber, Geschlecht, sexuelle Orientierung – all diese Daten konnten die Analysten der Firma Cambridge Analytica verwenden, um – zumindest nach eigenen Angaben – entscheidenden Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 zu nehmen. Etwa durch gezieltes Schalten von Werbung und Postings. Das berichteten vergangene Woche die New York Times und die britische Zeitung The Observer. Unerlaubt habe Cambridge Analytica dazu Daten von Millionen Facebook-Nutzern verwendet. Nun ermittelt die US-Staatsanwaltschaft. Obwohl eine entscheidende Rolle von Cambridge Analytica in den Wahlen von vielen Seiten angezweifelt wird, zeigt das vor allem eines: Viele Nutzer sind sich nicht bewusst, wem sie ihre Daten geben und für welche Zwecke sie missbraucht werden können.

Den Berichten zufolge bekam Cambridge Analytica die Daten von Aleksandr Kogan, einem Wissenschaftler der Universität Cambridge, der über eine App an private Informationen von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern gelangt war. Er hatte eine App programmiert, die ihren Nutzern anbot, eine Persönlichkeitsauswertung auf Basis ihrer Nutzerdaten durchzuführen. Obwohl er gemeinsam mit Cambridge Analytica nur rund 270.000 Nutzerinnen und Nutzer dazu brachte, die App herunterzuladen und zu verwenden, kamen auf diesem Weg Daten von mehreren Millionen Nutzern zusammen. Der Grund: Mit dem Gebrauch der App, erklärte sich jeder Nutzer und jede Nutzerin damit einverstanden, dass sie nicht nur auf die eigenen Profildaten zugreifen darf, sondern offenbar auch auf die von Freunden. Ob den meisten Nutzern bewusst war, in was sie einwilligten, lässt sich nicht sagen. Kaum jemand dürfte aber jegliche AGB und Datenschutzerklärungen gründlich und aufmerksam lesen.

Neben dem – möglicherweise illegalen – Weg, den Cambridge Analytica gewählt hat, gibt es alltäglichere, um an Facebook-Nutzerdaten zu kommen: Vermutlich kennen Sie den Button "Mit Facebook anmelden" in vielen Apps, in denen Sie sich registrieren sollen. Statt sich lange damit aufzuhalten, Namen und E-Mail-Adresse einzugeben und ein Passwort festzulegen, wählen viele den bequemen Weg, sich über Facebook einzuloggen. Der Nebeneffekt: Die neue App ist jetzt mitunter dauerhaft mit Ihrem Facebook-Profil verbunden.

Sperren, aussortieren, löschen

Was nach Ansicht von Verbraucherschützern nicht per se bedenklich ist, möchten Sie als Nutzerin oder Nutzer aber vielleicht besser selbst kontrollieren. Welche Drittanbieter mit dem eigenen Facebook-Konto verbunden sind, können Sie so prüfen (wie das genau funktioniert, sehen Sie im Video):

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt
  • In den Facebook-Einstellungen unter "Apps" ist zu sehen, welche externen Anwendungen mit Facebook angemeldet sind. Einige der Anwendungen hat man möglicherweise noch nie gesehen oder schon längst vergessen. Bei anderen war es vielleicht eine bewusste Entscheidung, sie mit Facebook zu verbinden. Beispielsweise bei Instagram: Viele verbinden die App mit Facebook, um ihre neuesten Bilder gleichzeitig auch auf Facebook zeigen zu können. Sortieren Sie am besten alle Anwendungen aus, die Sie gar nicht mehr nutzen oder nutzen wollen.
  • Wer sofort und auch in Zukunft grundsätzlich verhindern möchte, dass Facebook sich mit anderen Anwendungen verbindet, wählt die radikalere Variante: "Apps, Plug-ins und Webseiten deaktivieren". Das löscht alle Apps und verbietet jeden weiteren Zugriff von Drittanbietern.
  • Im Fall der App, die Cambridge Analytica nutzte, um an Nutzerdaten zu gelangen, ist eine dritte Einstellung wichtig: "Von anderen Personen verwendete Apps". Wenn sie aktiviert ist, erlaubt das Apps von Facebook-Freunden Zugriff auf Ihre Daten. Wenn also einer Ihrer Freunde mit Spotify, Candy Crush oder Bubble Attack verbunden sein sollte, könnte das im Zweifel bedeuten, dass auch Daten seiner Freunde an den Entwickler fließen.
  • Bisherige Diskussionen rund um Facebook und Datenschutz zeigten vor allem eines: Auf welche Daten Facebook zugreifen kann, auf welche nicht und was schließlich mit ihnen passiert – das weiß nur Facebook selbst. Kritiker sind sich einig: Ihrer Meinung nach schützt Facebook die Daten seiner Nutzer nicht ausreichend, überprüft externe Anbieter nicht sorgfältig genug und informiert die Öffentlichkeit nur unzureichend über die Datenweitergabe. Als Reaktion auf die Datenaffäre mit Cambridge Analytica rief Whatsapp-Gründer Brian Acton in einem Tweet dazu auf, Facebook einfach ganz zu löschen: #deletefacebook. Das wäre sicher die letzte und endgültigste Lösung, einen Missbrauch der eigenen Facebook-Daten zu umgehen.