Facebook hat sich verpflichtet, im Fall der unerlaubten Verwendung der Daten von Millionen seiner Nutzerinnen alle Betroffenen zu informieren. Das sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley, nachdem sie sich mit Vertretern des sozialen Netzwerkes in Berlin getroffen hat. Derzeit ist noch unklar, wie viele Nutzer hierzulande betroffen sind. Die Bundesregierung bestehe darauf, dass das aufgeklärt werde, sagte Barley.

Laut der Ministerin räumte Facebook bei dem Treffen Verstöße und Versäumnisse ein. Versprechen seien aber nicht genug, sagte Barley. Unternehmen wie Facebook müssten deutlich strenger überwacht werden. Nach Angaben von Facebook sollen etwa ein Prozent der 300.000 Umfrageteilnehmer aus Europa stammen und davon wiederum "ein gewisser Prozentsatz" aus Deutschland.

Die genauen Zahlen wolle das Unternehmen dieser Tage klären, sagte Barley. Das gelte auch für die Frage, wie viele Deutsche unter den insgesamt 50 Millionen Betroffenen seien. Dazu seien allerdings weitere Untersuchungen nötig. Der europäische Cheflobbyist von Facebook, Richard Allan, sagte nach dem Treffen: "Wir unternehmen die notwendigen Schritte, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann."

Psychologietest eröffnete Zugang zu Daten

Vor etwa einer Woche ist bekannt geworden, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica unerlaubt die Informationen von etwa 50 Millionen Facebook-Nutzern ausgewertet haben soll. Das Unternehmen, das später den US-Präsidenten Donald Trump bei seinem Wahlkampf unterstützte, hatte die Daten von einem britischen Forscher erhalten. Dieser hatte eine App mit einer Psychologieumfrage auf Facebook verbreitet, an der etwa 300.000 Menschen teilnahmen. 

Die App soll zeitweise aber auch Zugriff auf einige Daten von Nutzern gehabt haben, die die Anwendung nicht installiert hatten, sondern lediglich mit den Teilnehmern der Umfrage befreundet gewesen waren. Bei den Informationen soll es sich beispielsweise um Likes und Interessen gehandelt haben. Facebook hat nach eigenen Angaben 2015 davon erfahren, widersprach jedoch der Darstellung, die Daten seien gestohlen worden. Das soziale Netzwerk steht seitdem international in der Kritik, die Daten der Nutzerinnen und Nutzer nicht ausreichend zu schützen.

Zuckerberg soll aussagen

Am Montag teilte die US-Verbraucherschutzbehörde FTC mit, dass sie gegen Facebook ermittelt. Der geschäftsführende Direktor, Thomas Pahl, kündigte an, vor allem Datenschutzregeln überprüfen zu wollen. Nach der Ankündigung sank der Kurs der Facebook-Aktie um zeitweise 5,9 Prozent. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Unternehmen etwa 75 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

Zugleich wurde bekannt, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem Justizausschuss des US-Senats aussagen soll. Der Vorsitzende des Komitees, Charles Grassley, teilte mit, er habe Zuckerberg sowie die Chefs des Google-Mutterkonzerns Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter für den 10. April zu einer Anhörung eingeladen. Zuckerberg solle darüber informieren, wie Facebook in der Vergangenheit und künftig mit dem Schutz und der Überwachung von Kundendaten umgehe.

Auch die Justizkommissarin der Europäischen Union (EU), Věra Jourová, hat Facebook bereits aufgefordert, klarzustellen, inwieweit europäische Nutzer betroffen sind. Sie hatte auf die strengeren europäischen Datenschutzregeln (DSGVO) hingewiesen, die im Mai in Kraft treten. Wenn Unternehmen gegen sie verstoßen, sollen dann höhere Strafen verhängt werden: "Bei möglichen Strafen bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes wird sich auch Facebook sehr genau überlegen, wie Datenmissbrauch künftig verhindert werden kann", sagte die EU-Kommissarin. 

Lars Klingbeil - Was lässt sich die Bundesregierung von Facebook noch gefallen? Facebook handelt gewissenlos mit den Daten seiner Nutzer. Hat die Politik weggesehen? "Viele haben sich blenden lassen", sagt SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. © Foto: Ana-Marija Bilandzija