Die europäischen Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen werden Ende dieser Woche eine Meldung auf ihrem Bildschirm finden, in der sie gebeten werden, einige Einstellungen zum Datenschutz vorzunehmen. Anders als sonst können sie dieses Fenster nicht einfach wegklicken, sondern müssen ihr Häkchen an den Optionen setzen, bevor sie wie gewohnt in ihrem Newsfeed die Nachrichten ihrer Freunde und Meldungen aus aller Welt lesen können.

Willkommen in der Welt der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)! Dieses überarbeitete Regelwerk tritt zwar erst am 25. Mai in Kraft, aber das soziale Netzwerk hat sich entschieden, seine Plattform schon jetzt an die neuen Regeln anzupassen. Am Dienstag präsentierte der stellvertretende Datenschutzbeauftragte der Firma, Rob Sherman, in Facebooks Zentrale in Menlo Park die neuen Features einer Handvoll Journalisten, fast alle aus Europa.

Doch was in Europa beginnt, soll "in den kommenden Wochen und Monaten" dann weltweit umgesetzt werden, wenn auch mit kleinen, regionalen Unterschieden, die noch nicht genauer erklärt wurden. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte vergangene Woche in seiner Anhörung vor dem US-Kongress Aufsehen erregt, als er über die DSGVO sagte: "Wir wollen all diese Einstellungen überall verfügbar machen, nicht nur in Europa. Generell sind Bestimmungen wie die DSGVO sehr positiv."

Die Anpassung von Facebooks Datenschutz an die neuen europäischen Bestimmungen passierte nicht über Nacht. Sie war längst geplant, als der Konzern im März vom Skandal um die von der Firma Cambridge Analytica abgegriffenen Daten heimgesucht wurde. Aber dass die Firma ihre neuen Einstellungen nun offensiv verkauft, ist sicherlich kein Zufall. Endlich mal etwas Positives zum Thema Datenschutz, haben sich die Verantwortlichen von Facebook wohl gedacht, und rühren entsprechend die Werbetrommel.

Einstellungen für Profildaten und Gesichtserkennung

Große Veränderungen an seinem System muss die Firma aus Kalifornien ohnehin nicht vornehmen. Facebook sammelt zwar wie gehabt viele persönliche Daten seiner User, aber dem stimmen alle bereits zu, wenn sie dem Dienst beitreten. Neu in der DSGVO ist, dass einige Daten als sensibler eingestuft werden als andere. Und zu dieser Sorte Daten müssen alle Nutzer und Nutzerinnen nun eine ausdrückliche Erklärung abgeben.

  • Sensible Daten: Wer Angaben zu seiner politischen Einstellung, seinem Glauben oder seinem Beziehungsstatus gemacht hat, der wird gefragt, ob er oder sie das wirklich so gemeint hat und diese Daten mit anderen Menschen teilen will. Für die Werbung werden diese Merkmale nicht benutzt, sagt Facebook, allerdings zur "Personalisierung von Features und Produkten". Die Nutzerinnen können dem entweder zustimmen oder die entsprechenden Informationen aus ihrem Profil löschen. Die Möglichkeit, die Angaben im Profil zu behalten und sie nicht mit Facebook zu teilen, gibt es nicht.
Die Option für sensible Daten
  • Gesichtserkennung: Diese Funktion war in Europa bislang nicht verfügbar. Wer künftig die Option aktiviert, dessen Gesicht kann Facebook auch dann auf Fotos anderer Nutzer erkennen, wenn es nicht markiert wird. Damit kann man zum Beispiel Nutzer entlarven, die mit dem Foto von anderen ein gefälschtes Profil anlegen und Identitätsdiebstahl vorbeugen. Es hat aber für viele auch einen Hauch von Big Brother, zumal Gesichtserkennung auch ein politisch wie juristisch brisantes Thema ist: Erst am Dienstag ließ ein Richter in Kalifornien eine Sammelklage gegen Facebooks Gesichtserkennung zu. Mit zwei Klicks lässt sich auf Facebook die Technik komplett untersagen, sie ist aber ohnehin standardmäßig deaktiviert. Trotzdem ist es erstaunlich, dass Facebook die umstrittene Funktion inmitten der Debatte um den Datenschutz nun auch in Europa freischaltet.
Die Einstellung für Gesichtserkennung
  • Daten von Partnerfirmen: Facebook sammelt Daten nicht nur auf der eigenen Website. Über Like-Buttons und andere Tricks wie Conversion Tracking erfährt die Firma auch, auf welchen anderen Seiten man sich herumtreibt und was man dort zum Beispiel kauft. Diese Datensammelei kann man nicht abstellen, aber man kann verhindern, dass die Daten bei der Präsentation von Anzeigen berücksichtigt werden. "Wenn wir diese Sorte Daten nicht benutzen", sagt Facebook dem User lapidar, "dann sehen Sie genauso viele Anzeigen, sie sind nur nicht so relevant." Die Daten werden weiterhin dafür genutzt, den Newsfeed zu personalisieren. Das lässt sich auch nicht ausstellen.
Die Option für personalisierte Werbung
  • Minderjährige: Für Teenager, die Facebook ab 13 nutzen können, gelten strengere Regeln als für Erwachsene. Die vollen Facebook-Optionen bekommen sie nur nach der Zustimmung eines Erziehungsberechtigten, Gesichtserkennung ist für unter 18-Jährige tabu. Fraglich scheint aber, wie streng diese Einverständniserklärung ist. So scheint es möglich zu sein, einfach einen bestehenden Kontakt als mutmaßlichen Erziehungsberechtigten auszuwählen, der das dann nur noch bestätigen muss. Eine weitere Überprüfung dessen Identität ist offenbar nicht geplant, schreibt das IT-Portal Techcrunch.
Die Einstellung für Minderjährige
  • Zugriffseinstellungen: Daneben hat Facebook sämtliche Datenschutzeinstellungen, die der Nutzer vornehmen kann und die früher teilweise schwer zu finden waren, neu zusammengefasst und übersichtlicher gestaltet. Die Kontrolle jedes Nutzers über seine Daten – die Zuckerberg vor dem US-Kongress gebetsmühlenhaft betont hat – wird damit ein wenig erleichtert. Wer wusste bisher schon, dass er Facebook untersagen kann, gewisse Eigenschaften und Vorlieben bei der Platzierung individualisierter Anzeigen zu berücksichtigen? Auch der Download der eigenen Daten, der in den letzten Wochen sehr populär war, wird nun vereinfacht, ebenso das Löschen des Accounts.
Neue, übersichtlichere Privatsphäreneinstellungen