Die inzwischen insolvente Datenanalysefirma Cambridge Analytica hat die von ihr gesammelten Informationen über die betroffenen Facebook-User offenbar trotz mehrfacher Aufforderung nicht gelöscht. Das berichtet der britische Guardian unter Berufung auf interne E-Mails und die Aussagen von namentlich nicht genannten Mitarbeitern. Demnach waren die Informationen versteckt auf den Servern der Firma gespeichert. Man habe sie nur abrufen können, wenn man den Ort kannte, hieß es.

Im März war bekannt geworden, dass sich Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hatte. Facebook hatte das Unternehmen seit Dezember 2015 immer wieder zur Löschung der Informationen aufgefordert. Laut Guardian wurden dann zwar Rohdaten entfernt, nicht aber die daraus abgeleiteten – und fürs sogenannte Microtargeting wichtige – Analysen und Vorhersagemodelle. Diese, so schreibt die Zeitung, habe Cambridge Analytica erst im April 2017 gelöscht, also 16 Monate nach der ersten Ermahnung durch Facebook und lange nach dem US-Wahlkampf. Erst dann habe das Unternehmen bestätigt, dass es "keine abgeleiteten Daten" mehr aufbewahre.

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt

Laut Schätzungen von Facebook könnten bis zu 87 Millionen Nutzer weltweit betroffen sein. Auslöser des Vorfalls war die Weitergabe von Informationen durch den Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren. Dieser reichte die Daten an die Firma Cambridge Analytica weiter, die sie später unter anderem dem Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump zur Verfügung gestellt haben soll. Letzteres bestreitet Cambridge Analytica allerdings.

Als Folge des Skandals beantragten Cambridge Analytica und die britische Dachgesellschaft SCL Group am vergangenen Mittwoch Insolvenz und stellten den Betrieb ein. Die Berichte über die Firma hätten praktisch alle Kunden vertrieben, hieß es zur Begründung. Die finanzielle Lage sei "prekär". Zugleich sind führende Mitarbeiter und Geldgeber bereits bei einem neuen Unternehmen tätig.

Auch Facebook kündigte Konsequenzen an und will die Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer besser schützen. Am vergangenen Dienstag teilte das soziale Netzwerk mit, Nutzern eine einfachere Möglichkeit geben zu wollen, um einige gesammelte Informationen wie die Liste besuchter Websites oder angeklickter Links zu löschen. Wegen des Skandals sagte zudem Facebook-CEO Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress aus.