Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky wird nach US-Spionagevorwürfen die Daten von zahlreichen Kunden von Russland in die Schweiz verlegen. Ein neues Rechenzentrum in Zürich solle dafür bis Ende 2019 eingerichtet werden, kündigte Kaspersky an.

Dort sollen Daten von Kunden aus Europa, Nordamerika, Singapur, Australien, Japan und Südkorea gespeichert und verarbeitet werden. Weitere Länder sollen folgen.

Zudem werde bald gebrauchsfertige Software ebenfalls in Zürich produziert. Das neue Rechenzentrum will Kaspersky von unabhängigen Kontrolleuren beaufsichtigen lassen.

US-Medien berichteten im Herbst 2017, die Firma habe eine Rolle dabei gespielt, dass geheime Angriffswerkzeuge der NSA in die Hände russischer Geheimdienste geraten seien. Ein Mitarbeiter des US-Abhördienstes hatte die geheime Software regelwidrig auf seinem privaten Computer geladen, auf dem auch Kaspersky-Sicherheitssoftware lief.

Mehrere Länder verzichten auf Kaspersky-Software

Kaspersky räumte damals ein, dass die Angriffsprogramme dadurch auf den Firmenservern in Moskau gelandet seien. Das Unternehmen habe sie jedoch mit niemandem geteilt und gelöscht, erklärte Gründer und Chef Jewgeni Kaspersky. Dennoch wurden Kaspersky-Programme von Computern in US-Behörden verbannt.

Nach den USA und Litauen kündigten auch die Niederlande an, aus Sorge über eine Einflussnahme der russischen Regierung die Software des Sicherheitsspezialisten nicht mehr einzusetzen. Die russische Regierung verfüge über ein "offensives Cyberprogramm", das unter anderem die Niederlande und deren Interessen ins Visier nehme, sagte Justizminister Ferdinand Grapperhaus. Als russisches Unternehmen müsse Kaspersky staatliche Anweisungen befolgen.

Eugene Kaspersky - Sind Sie ein russischer Spion? Er leitet ein Unternehmen, das vor Hackern und Computerviren schützen soll: Eugene Kaspersky spricht im Video über das Verhältnis seiner Firma zu den USA und Russland. © Foto: Anond Zika