Sicherheitslücke - Twitter-Nutzer sollen Passwort ändern Twitter hat seine mehr als 330 Millionen Nutzer aufgerufen, ihre Passwörter zu ändern. Es handele sich jedoch um eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es vom Unternehmen. © Foto: Pawel Kopczynski/Reuters

Wegen einer internen Sicherheitslücke hat der Onlinekurzmitteilungsdienst Twitter seine etwa 330 Millionen Nutzer aufgefordert, vorsichtshalber ihre Passwörter zu ändern – auch auf anderen Plattformen, falls dort ein identisches Passwort genutzt wurde. Ein jetzt in der Software entdeckter Fehler habe dazu geführt, dass Passwörter unverschlüsselt in einem internen Verzeichnis gespeichert worden seien, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Hinweise auf einen Missbrauch der Passwörter gebe es nicht.

Die Vorsichtsmaßnahme sei sinnvoll, obwohl der Fehler inzwischen behoben sei, hieß es von dem Unternehmen. Twitter-Technikchef Parag Agrawal schrieb in einem Blogeintrag, dass das Unternehmen Passwörter verschlüsselt oder "zerlegt" speichere, indem sie durch beliebige Zahlen und Buchstaben ersetzt würden. Der Systemfehler habe aber dazu geführt, dass die Passwörter vor der Verschlüsselung in die interne Protokolldatei geschrieben worden seien. Der Konzern entdeckte die Sicherheitslücke nach eigenen Angaben selbst und reparierte sie entsprechend. "Es tut uns sehr leid, dass das passiert ist", schrieb Agrawal.

Wie viele Passwörter aufgedeckt wurden oder wie lange diese sichtbar waren, teilte Twitter nicht mit. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte jedoch, dass die Zahl "beträchtlich" sei. Außerdem sei die Panne bereits vor Wochen entdeckt worden. Twitter habe den Vorfall daraufhin einigen Behörden mitgeteilt.

Der Vorfall ereignete sich zu einem Zeitpunkt, zu dem verstärkt über den Schutz von Nutzerdaten diskutiert wird. Zuletzt war das Onlinenetzwerk Facebook von einem Datenskandal erschüttert worden: Die Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern wurden von der Datenanalysefirma Cambridge Analytica abgeschöpft und sollen dann unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump genutzt worden sein.

Twitter hinkt in der Popularität anderen sozialen Netzwerken wie Facebook weit hinterher. Während der Dienst zum Beispiel bei Politikern, Journalisten, Aktivisten sowie Prominenten von Film über Musik bis Sport sehr beliebt ist, bleibt die allgemeine Bevölkerung dort nur dürftig vertreten. Durch eine Reihe von Reformen hat der Dienst seine Attraktivität allerdings in jüngster Zeit gesteigert. Dazu gehören Livevideos, eine Reihe von Partnerschaften, beispielsweise im Sport, und die Verdoppelung der Textlängen von 140 auf 280 Zeichen.