Der hessische Datenschutzbeauftragte überprüft laut Medienberichten das Geschäftsmodell der Kreditauskunft Schufa. Bislang galt: Wenn Verbraucher eine sofortige elektronische Auskunft über ihre Bonität wollen, müssen sie eine Gebühr in Höhe von mindestens 3,95 Euro bezahlen. Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sieht aber eine kostenlose Auskunft über alle Daten vor, die ein Unternehmen über Verbraucher gespeichert hat.

Wer nichts zahlen will, konnte bei der Schufa zwar einmal pro Jahr eine kostenlose Auskunft per Post anfordern. Dies dauert aber Wochen, nicht alle können so lange warten. Wie die Welt berichtet, verwehrt die Schufa den kostenlosen Download, weil sie nicht feststellen könne, ob die Online-Anfrage von der berechtigten Person kommt. Nur eine Zustellung an die postalische Adresse könne gewährleisten, dass die Auskunft die richtige Person erreicht. Das Vorgehen habe die Schufa mit den Datenschutzbehörden abgestimmt. Beim hessischen Datenschutzbeauftragten hieß es dazu, die entsprechende Vereinbarung werde derzeit überprüft.

Beim kostenpflichtigen Dienst sieht die Schufa das Problem nicht. Dort weisen sich Nutzerinnen und Nutzer über die Prüfziffer auf ihrem Personalausweis aus.

Der zuständige Referent des hessischen Landesdatenschutzbeauftragten habe diesbezüglich das Unternehmen zur Stellungnahme aufgefordert. Die Behörde prüfe, inwiefern die Praxis der Schufa zulässig ist, berichtet die Welt.

Die Schufa widersprach zudem der Vorstellung, dass eine elektronische Auskunft bedeutend schneller sein müsse als eine postalische. Laut Gesetz hat sie vier Wochen Zeit dafür. Auch das bezahlpflichtige Online-Angebot "meineSchufa" sei nicht unbedingt schneller, weil für den Erstzugang ein Identifikationsprozess nötig sei, der "ungefähr identisch" lange dauere wie eine postalische Datenkopie nach der DSGVO.

Außerdem bezweifelte die Schufa, ob Auskünfte nach der DSGVO im Alltag einen Vorteil brächten. So dürften beispielsweise Vermieter diese Art der Auskünfte laut Bundesdatenschutzbeauftragtem gar nicht anfordern, weil sie zu detailliert sind. Hierfür bietet die Schufa eine kostenpflichtige Bonitätsauskunft an, die ebenfalls nur per Post zugestellt wird.

Die DSGVO sorgt seit ihrem Inkrafttreten am 25. Mai an zahlreichen Stellen für Anpassungsbedarf. Verbraucher bekommen etliche E-Mails mit Hinweisen auf neue Datenschutzbestimmungen. Unternehmen fürchten eine Abmahnwelle, weil sie die gesetzlichen Bestimmungen noch nicht umgesetzt haben.