Google erlaubt Entwicklern den Zugriff auf Millionen von E-Mails von Gmail-Nutzern. Wenn die Entwickler sich eine entsprechende Erlaubnis bei den Nutzern einholen, können sie routinemäßig die Inbox durchforsten und auf diesem Wege die E-Mails lesen. Das geht aus einem Bericht des Wall Street Journal hervor mit dem Titel "Tech's Dirty Secret". Google hat der Nachrichtenseite Golem.de bestätigt, dass Drittentwickler sich Rechte für den Zugriff auf Mail-Konten der Nutzer beschaffen können. Manche der Drittfirmen werten die Nachrichten vollautomatisch aus, andere lassen ihre Mitarbeiter von Hand in E-Mails schauen, etwa um die eigene Software zu trainieren.

Damit die Drittentwickler Zugriff auf die Mails erhalten, muss der Nutzer ihnen eine entsprechende Erlaubnis gewähren. Das geschieht in der Regel für die Nutzung von kostenlosen Maildiensten wie automatischen Reiseplanern oder Preisvergleichsportalen. Das Wall Street Journal nennt unter anderem die Firma Return Path, die auf diese Weise bis zu 100 Millionen E-Mails pro Tag analysieren soll.

Unter Entwicklern völlig normal

Aber auch alternative Gmail-Clients sichern sich Leserechte für das E-Mail-Konto des Anwenders. Der Firmenchef des Entwicklungsstudios hinter der Mail-App Edison hat gegenüber dem Wall Street Journal sogar zugegeben, dass seine Entwickler die Mails Hunderter Nutzer seines Gmail-Clients gelesen haben. Diese Praxis sei unter App-Entwicklern völlig normal und sei durch die AGB der jeweiligen Apps oder Dienste abgedeckt. Insgesamt hat das Wall Street Journal mehr als zwei Dutzend Entwickler befragt, die ein solches Vorgehen bei ihren aktuellen oder früheren Arbeitgebern bestätigen.

Auch Google selbst hat Golem.de das beschriebene Verhalten der Drittentwickler bestätigt. Der Nutzer müsse diesen aber explizit das Recht gewähren, auf die Mails zugreifen zu können. Drittentwickler können sich für diesen Zugriff von Google freischalten lassen. Google-Mitarbeiter selbst haben nur in seltenen Fällen Zugang zu den Nachrichten, etwa bei der Untersuchung von Sicherheitszwischenfällen oder zur Fehlersuche - dann frage Google die Nutzer aber gesondert um Erlaubnis.