Für die Täter ist Doxing ein Sport. Für die Betroffenen kann es zum Angriff auf ihre Existenz werden. So erleben es gerade eine Reihe von Politikern, Journalisten und YouTube-Stars. Unbekannte haben möglichst private Dokumente (englisch docs, deshalb doxing oder doxxing) von ihnen gesammelt und im Netz veröffentlicht – in einem Ausmaß, wie es Ermittler in Deutschland bislang noch nicht erlebt haben.

In den dunkleren Ecken des Internets finden Doxing-Angriffe seit vielen Jahren statt. Oft trifft es Frauen. Weil sie Männer abgewiesen haben, weil sie sich von ihnen trennten, weil sie sich scheiden ließen. Aber auch Mitspieler und Mitspielerinnen in Onlinegames, vermeintliche Konkurrentinnen und Konkurrenten oder Prominente sind das Ziel solcher Attacken.

Neu jedoch ist die schiere Masse an Daten, die veröffentlicht wurden. Mehr als tausend Namen stehen auf den Listen, die im Dezember nach und nach verbreitet wurden. In den allermeisten Fällen wurden lediglich einige wenige Angaben zu den einzelnen Personen publik, beispielsweise eine Handynummer oder eine Mailadresse.

Wie ein Einbruch

Von 50 bis 60 der Betroffenen aber wurden so viele private Daten und Dokumente gepostet, dass das für sie einem Wohnungseinbruch gleichkommen muss. Diejenigen von ihnen, die bereit sind, darüber zu reden, beschreiben es als schweren Schock und fürchten, dass sie und ihre Familien in Zukunft schutzlos Bedrohungen ausgeliefert sein werden.

Die Fahndung nach dem oder den Tätern dauert noch an. Die für Internetkriminalität zuständige Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt sind seit Freitagmittag auf der Jagd nach ihnen. Mindestens eine Wohnung wurde durchsucht. Jan S. aus Heilbronn, den die Ermittler aufsuchten, gilt jedoch als Zeuge und nicht als Tatverdächtiger, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft ZEIT ONLINE.

S. behauptet, seit 2014 regelmäßig im Austausch mit dem mutmaßlichen Täter gestanden zu haben, der sich selbst @_0rbit nennt. Er kenne dessen wahre Identität aber nicht, sagte S. ZEIT ONLINE. @_0rbit sei ein rechter Einzeltäter. In Chats habe dieser geschrieben, dass es eine Frechheit sei, "was sich Flüchtlinge erlauben". Beweise für diese Unterhaltungen will S. nicht herausgeben.