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Adrian Pohr
Zahlreiche sensible Daten deutscher Politikerinnen und Politiker sowie Prominenter sind im Internet veröffentlicht worden – unter anderem Handynummern, parteiinterne Dokumente, Kontodaten und private Chats. Betroffen sind auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Nur Politikerinnen und Politiker der AfD sind laut Bundesinnenministerium bislang vom Datenleak ausgeschlossen. Es gibt zudem Hinweise auf Verbindungen in die rechte Szene. Der Twitter-Account, über den das Material veröffentlicht wurde und der inzwischen gesperrt ist, folgte rechtsextremen Accounts und beteiligte sich an rechtsradikalen Diskussionen (mehr dazu in unserem FAQ).
Hackerangriff auf Politiker und Prominente
Bundestagsabgeordnete reagierten entsetzt und forderten rasche Aufklärung. Justizministerin Katarina Barley (SPD) sprach von einem schwerwiegenden Angriff. “Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen”, sagte Barley. Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Dietmar Bartsch, sagte, “das ist ein schwerer Anschlag auf die Demokratie in unserem Land”.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU), sagte der Rheinischen Post: "Wir werden alles daransetzen, den Urheber dieses üblen Angriffs auf die Persönlichkeitsrechte von so vielen Bürgern dingfest zu machen."

Unklar ist, woher die Daten und Dokumente stammen und wer für die Veröffentlichung verantwortlich ist. Die Deutsche Presse-Agentur meldet unter Berufung auf den Bundestag, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gehe davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen einem früheren Hackerangriff 2018 und den Leaks jetzt gebe. Die Daten stammten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie sozialen Medien, aus Webauftritten sowie aus privaten Clouddaten. 2018 hatten Sicherheitsbehörden einen IT-Angriff auf Bundestagsabgeordnete entdeckt.

Eine Sprecherin der Bundesregierung betonte, man nehme diesen Vorfall sehr ernst. Das Cyber-Abwehrzentrum habe sich heute bereits mit dem Vorgang befasst. Dem Justizministerium zufolge prüft auch der Generalbundesanwalt den Fall.

Damit schließen wir dieses Liveblog.
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Vanessa Vu
Sind Sie mal gehackt worden? Das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam bietet einen Identity Leak Checker an.

Dort können Sie Ihre E-Mail-Adresse eingeben und erhalten sofort Auskunft darüber, ob und wann Ihre persönlichen Daten wie Telefonnummer, Geburtsdatum und Adresse mal gehackt und im Internet veröffentlicht wurden und missbraucht werden könnten. Dies geschieht per Datenabgleich mit einschlägigen Datenbanken.

Ähnlich arbeitet das Tool Have I Been Pwned des Sicherheitsexperten Troy Hunt. Es ist ebenfalls frei zugänglich und unkompliziert.
Vanessa Vu
War die Veröffentlichung eine Folge des Hackerangriffs auf den Bundestag im Februar 2018?

Die Deutsche Presse-Agentur meldet unter Berufung auf den Bundestag, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gehe davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Angriff 2018 und den Leaks jetzt gebe. Die Daten stammten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie sozialen Medien, aus Webauftritten sowie privaten Clouddaten.

Ende Februar 2018 wurde bekannt, dass ausländische Hacker in das als sicher geltende Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden eingedrungen waren. Laut Bundesinnenministerium sei der Angriff "isoliert und unter Kontrolle gebracht" worden.
Vanessa Vu
Es gibt einen Hinweis auf gefälschte Daten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post sprach von einer Datei, die ihm nie geschickt worden sei, "und ich habe sie nicht gespeichert". Sie werde von den Tätern aber als seine Datei ausgewiesen.
Vanessa Vu
Möglicherweise wurde der Twitteraccount @_0rbit, über den das Material veröffentlicht wurde, durch einen früheren Hack von einem bekannten YouTuber geklaut und umgewandelt. Das würde die hohe Zahl der Follower erklären. Daneben existieren drei ähnliche Nebenaccounts, die denselben Urheber haben könnten.

Das Umfeld der Accounts lässt den Schluss zu, dass es sich um Täter mit Verbindung in die rechte Szene handelt. @_0rbit beteiligte sich an extrem rechten Diskussionen auf Twitter.

Mehr dazu lesen Sie in unserem FAQ zum Datenleak.
Jurik Caspar Iser
Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Dietmar Bartsch, zeigt sich entsetzt über die Veröffentlichung von Daten Hunderter Politikerinnen und Prominenter. Er sei "schwer geschockt", sagte Bartsch.

Das ist ein schwerer Anschlag auf die Demokratie in unserem Land. Es ist ein Anschlag auf den sozialen Zusammenhalt in unserem Land.

Dietmar Bartsch
Es solle offensichtlich ein Klima der Angst und Unsicherheit geschaffen werden. Die zuständigen Behörden müssten "in aller Konsequenz" handeln.

Mehr als 40 Abgeordnete der Linke-Fraktion seien betroffen, dazu Landtagsabgeordnete und auch Kreisgeschäftsführer.
Jurik Caspar Iser
Nach Angaben des Bundesjustizministeriums prüft nun auch der Generalbundesanwalt den Fall.

In der Behörde in Karlsruhe sei ein sogenannter Beobachtungsvorgang angelegt worden. Der Generalbundesanwalt untersucht die Bedeutung des Falls und die kriminelle Relevanz und prüft, ob er weiter tätig wird.

Die Bundesanwaltschaft wäre insbesondere für Ermittlungen bei "geheimdienstlicher Agententätigkeit" zuständig, also wenn sich herausstellen sollte, dass ausländische Spione hinter der Veröffentlichung der Daten stecken könnten.
Jurik Caspar Iser
Justizministerin Katarina Barley (SPD) hat die massenhafte Veröffentlichung von Daten einen "schwerwiegenden Angriff" genannt.

Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen.

Katarina Barley
Die Täter müssten rasch ermittelt und ihre möglicherweise politischen Motive aufgeklärt werden. "Kriminelle und ihre Hintermänner dürfen keine Debatten in unserem Land bestimmen", sagte die Justizministerin.
Vanessa Vu
Was tun gegen Datenmissbrauch? Einige Daten könnten aus sozialen Medien stammen – was mehr oder weniger uns alle betrifft.

Nach Bekanntwerden des massenhaften Zugriffs von Cambridge Analytica auf Facebook-Daten haben wir Tipps zusammengefasst, wie Sie immerhin Ihr Facebook-Profil besser schützen können.
Außerdem formulierte Netzpolitiker Yannick Haan in einem Gastbeitrag fünf Vorschläge für eine neue Datenethik – auf politischer Ebene.
Vanessa Vu
Der freie Journalist Sebastian Haak weist auf Twitter darauf hin, dass die Veröffentlichung "jeden" betreffen könnte. Weil Adressbücher geleakt wurden, seien auch Daten Tausender Nichtpolitiker im Internet.
Jurik Caspar Iser
Der Linke-Abgeordnete Diether Dehm hat davor gewarnt, vorschnell Russland für den Fall verantwortlich zu machen. Auch seine Daten seien ausgespäht worden. Dehm setzt sich seit Jahren für Abrüstung und "Frieden mit Russland" ein.