Die Bundespolizei hat sich dafür gerechtfertigt, dass die Aufnahmen der sogenannten Bodycams als Übergangslösung auf Amazon-Servern gespeichert werden. Dies sei solange notwendig, bis passende bundeseigene Server zur Verfügung stünden, sagte der Sprecher des Bundespolizeipräsidiums, Gero von Vegesack. Wann dies der Fall sein werde, sei unklar. Die Amazon-Lösung sei im Vorfeld mehrere Monate zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geprüft worden.

Anfang März hatte unter anderem der FDP-Abgeordnete Benjamin Strasser die Nutzung der Amazon-Server kritisiert und vor einem "unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko" gewarnt. Die Bundespolizei verweist dagegen auf die komplexen Anforderungen an das System, die aus der Arbeitsweise entstehen. Wegen der bundesweit 475 Dienststellen sei eine zentrale Speicherung des Materials notwendig, sagte von Vegesack. Zudem gebe es weiträumig wechselnde Zuständigkeiten, etwa wenn es um Fußballhooligans gehe, die zu einem Bundesligaspiel in eine andere Stadt und anschließend wieder zurückreisten. "Gerade auch die bahnpolizeiliche Zuständigkeit bringt es mit sich, dass Angehörige unterschiedlicher Dienststellen der Bundespolizei im Bedarfsfall schnell auf das vorliegende Videomaterial zugreifen müssen – etwa, um mutmaßliche Straftäter beim Ausstieg am Zielbahnhof schnell identifizieren und festnehmen zu können."

Die Aufnahmen werden auf den Servern laut Bundespolizei stark verschlüsselt und lassen für sich genommen keine Zuordnung zu einzelnen Personen zu. Die Verknüpfung erfolge erst in einem internen "Vorgangsbearbeitungssystem". Die Speicherfrist betrage 30 Tage. Länger würde das Material nur vorgehalten, wenn es als Beweismittel in einem Verfahren diene.

1.100 Bodycams bis Jahresende

Nach der Erprobung von 39 verschiedenen Bodycamsystemen hatte sich die Bundespolizei für Geräte des Typs Motorola Si500 entschieden. Diese könnten gleichzeitig als Funkgerät und Kamera genutzt werden und würden den Beamten so weniger Last aufbürden, sagte von Vegesack. Bis zum Jahresende sollen rund 1.100 Kameras an die Dienststellen ausgeliefert werden. Ende 2020 sollen dann alle 475 Dienststellen mit dann insgesamt 2.300 Bodycams ausgerüstet sein.

Bodycams würden in aufgeheizten Situationen deeskalierend wirken, zumindest wenn das Gegenüber nicht etwa unter Alkoholeinfluss oder Drogen stehe, argumentiert die Bundespolizei. Über die Einschaltung der Kamera in der jeweiligen Situation soll unabhängig von erkennbaren Hinweisschildern vorab mündlich informiert werden. Auch signalisiere ein helles rotes Licht eine aktive Aufzeichnung.