Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat auf der Entwicklerkonferenz F8 angekündigt, künftig den Schutz der Privatsphäre in den Mittelpunkt des Online-Netzwerks zu stellen. "Wir haben derzeit nicht die beste Reputation, was den Schutz der Privatsphäre angeht, um es freundlich zu formulieren", gab Zuckerberg zu. Insbesondere mit der zunehmenden globalen Vernetzung würden private Rückzugsräume besonders wichtig.

Nach mehreren Datenschutzskandalen stand der Umgang von Facebook mit den Daten der Nutzerinnen und Nutzer in der Kritik.

Er verstehe, dass viele nicht glaubten, dass Facebook es nun ernst meine, sagte Zuckerberg. Aber das Netzwerk habe in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt, sich verändern zu können. Für die Neuausrichtung seien auch Änderungen in der Art erforderlich, wie das Unternehmen geführt werde.

Im Rahmen der Neuausrichtung soll der Facebook Messenger auf Komplettverschlüsselung umgestellt werden. Ein solches Verfahren, bei dem nur Absender und Empfänger Zugriff auf die Inhalte einer Unterhaltung haben, gibt es schon beim Chatdienst Whatsapp, den Facebook 2014 übernommen hatte. Bereits im März hatte Zuckerberg angekündigt, künftig mehr Angebote mit einer Ende-zu Ende-Verschlüsselung auszustatten.

Öffentliche und private Räume nebeneinander

Nach Zuckerbergs Darstellung sollen in Facebook künftig öffentliche und private Räume nebeneinander stehen. Dafür will das Netzwerk die Kommunikation stärker auf die Chatdienste verlagern, der Newsfeed tritt in den Hintergrund. Mit einer neuen Funktion sollen Nutzer etwa Freunde im Messenger einladen können, sich gemeinsam ein Video anzusehen. Außerdem soll es den Messenger noch in diesem Jahr als eigene Desktop-App auf Windows- und Mac-Computern geben.

In der Hauptapp soll die Gruppenfunktion, mit der sich Nutzer nach Interessen vernetzen können, stärker hervorgehoben werden. Zuckerberg sagte, sei Unternehmen arbeite daran, "schädlichen Inhalt" zu entfernen und die Bedeutung von Gruppen zu mindern, in denen irreführende Informationen verbreitet würden.

Kunden über Chatdienste ansprechen

Facebook stand wiederholt wegen der Verbreitung von Falschinformationen und extremistischen Inhalten über Gruppen in der Kritik.

Die im vergangenen Jahr vorgestellte Datingfunktion soll in diesem Jahr auch in den USA eingeführt werden. Bisher wird der Dienst nur in Kolumbien getestet. Das Videotelefoniegerät Portal soll dafür auch international auf den Markt kommen. Im Juni soll Kanada den Anfang machen, Europa folge im späteren Jahresverlauf.

Außerdem soll es Unternehmen erleichtert werden, über die Chatdienste mit Kunden in Kontakt zu treten. Bisher erwirtschaftete Facebook seinen Jahresumsatz von zuletzt fast 56 Milliarden Dollar fast ausschließlich mit Werbeeinnahmen. Weil die Zahl der Nutzer vor allem in USA und Europa nicht mehr so stark steigt, will Zuckerberg neue Erlösquellen erschließen. Der Messenger hat nach aktuellen Zahlen 1,3 Milliarden aktive Nutzer im Monat. Zwischen Unternehmen und ihren Kunden werden laut Facebook 20 Milliarden Nachrichten pro Monat verschickt.