Amazons Dienst Alexa ist in der Debatte um die Auswertung von Nutzerdaten aus Sprachassistenten erneut in den Fokus geraten. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag sollen befristete Angestellte teilweise von zu Hause aus Daten aus Amazons Sprachassistentin Alexa auswerten.

"Einigen Mitarbeitern ist es gestattet, von anderen Orten aus zu arbeiten", sagte Amazon der Zeitung. "Dabei gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss", heißt es demnach weiter in der Stellungnahme des Konzerns. Insbesondere die Arbeit an öffentlichen Orten sei untersagt.

Weiter berichtet die Welt am Sonntag, dass ein Zeitarbeits-Dienstleister in Polen nach Arbeitern gesucht hätte, die die Auswertung von Alexa-Aufnahmen durchführen sollten. Ensprechende Anzeigen seien inzwischen gelöscht. Dem Bericht nach sagte ein Zeitarbeiter der Zeitung, er und viele seiner Kollegen arbeiteten vom Küchentisch aus.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits Kritik daran gegeben, dass sich Menschen aufgezeichnete Fragmente von Unterhaltungen der Nutzer anhören und dann abtippen, um die Spracherkennung zu verbessern. Diese jahrelange Praxis war den Nutzern bis vor wenigen Monaten weitestgehend unbekannt.

Inzwischen weist die Alexa-App die Nutzer erstmals ausdrücklich darauf hin, die Sprachaufnahmen werden "möglicherweise bei der Entwicklung neuer Funktionen verwendet und hierbei manuell überprüft, um unsere Services zu verbessern". Davon sei nur ein "sehr kleiner Anteil" der Mitschnitte betroffen. In der Alexa-App befindet sich seit diesem Wochenende ein Schalter der die Speicherung von Aufnahmen ablehnt. Darüber platzierte Amazon einen Warnhinweis, dass das Ausschalten möglicherweise Funktionen einschränkt.

Dass Fragmente von Alexa-Aufnahmen auch von Menschen ausgewertet werden, war im Frühjahr durch einen Bericht des Finanzdienstes Bloomberg bekannt geworden. Damals ging es um das Anhören der Aufnahmen bei einem Dienstleister in Rumänien.

Die Mikrofone der Sprachassistenten sind ständig aktiv

Auch bei den Sprachassistenten Siri (Apple) und dem Google Assistant soll dies der Fall sei. Keiner der Anbieter wies bei der Einrichtung der Assistenten ausdrücklich darauf hin, dass auch ihre Mitarbeiter oder Dienstleister die Aufnahmen zu hören bekommen könnten.

Nach dem Anfang Juli Mitschnitte von Google Assistant aus den Niederlanden geleakt wurden, leitete der Hamburger Datenschützer, Johannes Caspar ein Verwaltungsverfahren gegen Google ein. Erst jetzt wurde bekannt, dass der Internet-Konzern bereits Anfang Juli die Auswertung der Aufnahmen durch Menschen weltweit aussetzte. Vergangenen Freitag folgte Apple mit einem weltweiten Stopp - und versprach zudem, die Nutzer ausdrücklich um eine Erlaubnis zum nachträglichen Anhören von Mitschnitten durch Mitarbeiter zu fragen. Die Funktion solle in einem späteren Software-Update umgesetzt werden, hieß es.

Die Sprachassistenten reagieren auf Sprachbefehle des Nutzers und starten grundsätzlich erst, wenn sie das spezifische Aktivierungswort hören. Bei Apples Siri wäre dies "Hey Siri". Die Mikrofone müssen allerdings ständig aktiv sein, um das Weckwort nicht zu verpassen.

Ein besonderes Problem stellen fehlerhafte Aktivierungen dar, bei denen die Software glaubt ihr Weckwort gehört zu haben. Dabei können Sätze und Unterhaltungen aufgezeichnet werden, die nicht an die Sprachassistenz gerichtet waren. Beim nachträglichen Anhören sollen die Mitarbeiter auch herausfinden, welche Worte oder Geräusche die versehentliche Aktivierung auslösten, um die Software entsprechend anzupassen. Laut Google werden rund 0,2 Prozent der Aufzeichnungen nachträglich angehört, Apple und Amazon zufolge sind es weniger als ein Prozent.