Facebook gibt Nutzerinnen und Nutzern mehr Kontrolle über Daten, die das Netzwerk von anderen Websites und Apps bekommt. Wie der US-Konzern mitteilte, sollen Nutzer künftig nachsehen können, wer Informationen über ihre Aktivitäten außerhalb von Facebook geteilt hat. Sie können diese Daten von ihrem Facebook-Konto entfernen oder verhindern, dass derartige Daten künftig mit ihrem Konto verknüpft werden.

Derzeit können kommerzielle Plattformen und Apps, wenn sie von Personen mit einem Facebook-Konto besucht werden, Details über diesen Besuch an Facebook schicken. Dies ermöglicht es, diesen Nutzerinnen und Nutzern extrem zielgerichtet auf sie zugeschnittene Werbeanzeigen auf Facebook zu präsentieren – also etwa zu Produkten, nach denen sie woanders gesucht haben.

Die Nutzerinnen und Nutzer bekommen eine Zusammenfassung ihrer von anderen Apps und Websites übermittelten Informationen zur Verfügung gestellt, teilte das Unternehmen mit. Das Instrument schaffe "mehr Transparenz und Kontrolle auf Facebook".

Facebook erwartet Einfluss auf Werbegeschäft

Das Geschäftsmodell von Facebook basiert allerdings auf der Erhebung und kommerziellen Verwendung der personenbezogenen Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer. Das Ausspielen von stark auf den einzelnen Nutzer zugeschnittenen Werbeanzeigen anderer Unternehmen ist dabei von zentraler Bedeutung. Die für die Entwicklung des neuen Instruments zuständige Facebook-Managerin Stephanie Max räumte ein, dieses werde voraussichtlich "etwas Einfluss auf unsere Geschäfte" haben. "Doch glauben wir, dass es wichtiger ist, den Menschen Kontrolle über ihre Daten zu geben", versicherte sie.

Wenn ein Nutzer die Verknüpfung der von anderen Unternehmen gesammelten Daten mit seinem Facebook-Konto komplett oder teilweise blockiert, werden diese Informationen zwar weiterhin an Facebook übermittelt, allerdings in anonymisierter Form, wie Max erläuterte. Der Nutzer, von dem die Daten stammten, lasse sich dann nicht mehr identifizieren. Facebook könne die Informationen aber für die Erstellung von allgemeinen Statistiken benutzen, erläuterte Max.

Die neue Funktion zum Löschen dieser Daten von den einzelnen Facebook-Konten will das Unternehmen zuerst testweise in Irland, Spanien und Südkorea einführen. In den kommenden Monaten soll sie dann weltweit bereitgestellt werden.

Reaktion auf Datenschutzskandal

Der Konzern war im vergangenen Jahr von mehreren Datenschutzskandalen erschüttert worden. Heraus kam unter anderem, dass die Daten von rund 87 Millionen Nutzern bei der Datenanalysefirma Cambridge Analytica gelandet waren. Das Unternehmen arbeitete später unter anderem für das Wahlkampfteam des US-Präsidenten Donald Trump.

Wegen der Datenschutzverstöße verhängte die US-Verbraucherschutzbehörde FTC im vergangenen Monat eine Strafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) gegen Facebook. Die Einigung des Konzerns mit der Behörde sieht auch vor, dass Facebook neue Funktionen in seine Dienste einbaut, die den Nutzern mehr Kontrolle über den Umgang mit ihren Daten geben.