Unter vielen hat sich jedoch herumgesprochen, dass diese Atemschutzmasken nicht viel bringen. Aktivisten berichten, sie hätten Aufnahmen im chinesischen Netz gefunden, auf denen sie gezielt identifiziert waren, mitsamt Namen und Alter.

Die Technologie dafür gibt es in China zumindest offiziell: intelligente Überwachungskameras mit Gesichtserkennungssoftware. Die Firma Megvii etwa im Nordwesten Pekings hat sich auf die Entwicklung solcher Software spezialisiert. Bei einem Besuch im Jahr 2017 ließ sich im Selbstversuch beobachten, wie gut ihre Systeme funktionieren: Schon am Eingang der Firma wird man von ihnen erfasst. Die Software erkannte sofort: es handelt sich um einen Mann. Beim Alter war sie sich erst noch etwas unschlüssig. Auf dem Bildschirm schwankte die Angabe zwischen 35 und 42. Dann pendelte sich die Zahl bei 38 ein. Volltreffer. Die Software vermisst zudem das Gesicht, erstellt ein Bewegungsprofil und merkt sich spezielle Merkmale wie Leberflecken, die Form der Ohrmuscheln und die Augenfarbe. Die Daten werden dann mit denen verglichen, die der chinesische Staat über seine Bürgerinnen und Bürger besitzt und an die Firma herausgegeben hat.

Wenn du vor einer unserer Kameras stehst, wissen wir sofort, wer du bist.
Ai Jiandan, Mitarbeiterin der Firma Megvii

Erfasst die Kamera die Person ein zweites Mal, ordnet die Software alle Daten zu und identifiziert sie sofort. Das System ist lernfähig. "Wenn du vor einer unserer Kameras stehst, wissen wir sofort, wer du bist", erläuterte Megvii-Mitarbeiterin Ai Jiandan. "Jedes Gesicht hat seine speziellen Merkmale."

Anders als auf dem chinesischen Festland, sagt Hongkongs Führung, seien solche Kameras auf dem Territorium der Sonderverwaltungszone nicht im Einsatz. Doch auch dieser Aussage trauen die Demonstranten nicht. Ende August hatte eine Gruppe im Stadtteil Kwun Tong daher gezielt in einer Gegend demonstriert, in der sie Überwachungstechnik dieser Art vermutete. Einige Demonstranten griffen zu einer Kettensäge, um einen der Laternenmasten mit Kameras zu durchtrennen. Andere warfen ein Seil um den Masten, der schließlich umstürzte. Die Menge jubelte, als er zu Boden fiel.

Wird Hongkongs Regierung den Notstand ausrufen? Womöglich das Internet ausschalten? Diese Befürchtungen gibt es derzeit und die Regierung hat sie bislang nicht ausgeschlossen.

Selbst wenn es so weit käme, könnten sich Aktivisten jedoch weiterhin verständigen. Auch digital. Schon bei der Protestbewegung vor fünf Jahren installierten sich Tausende Demonstranten die App FireChat. Für diesen Messengerdienst benötigt nicht jede eine Internet- oder Telefonverbindung. Mit einer Art Schneeballsystem, dem sogenannten Mesh-Netz, werden die Nutzer der App via Bluetooth und WLAN miteinander verbunden. Sie bilden mit anderen FireChattern ein eigenes Datennetz, über das sie dann kommunizieren können. Anders als etwa bei WhatsApp lassen sich solche Mikronetzwerke nicht vom chinesischen Festland manipulieren. Dieses Mal hat sich die App Bridgefy durchgesetzt. Sie funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Zumindest Netzausfälle lassen sich so mit Sicherheit umgehen.