Die Regierungen in den USA, Großbritannien und Australien haben von Facebook einen Zugang zu verschlüsselten Nachrichten von Nutzerinnen und Nutzern verlangt. Dies sei notwendig, um schwere Verbrechen zu verhindern oder entsprechende Ermittlungen einzuleiten, hieß es in einem offenen Brief von US-Justizminister William Barr und anderen Regierungsvertretern, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Dies sei wichtig, um Kinder vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte angekündigt, dass sein Unternehmen den Einsatz von Verschlüsselung stark ausbauen wolle. So sollen Facebooks Chatdienste WhatsApp und Messenger sowie die Kommunikationsfunktion des Fotodienstes Instagram auf eine gemeinsame technische Plattform mit sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umgestellt werden. Bei der Komplettverschlüsselung sind Inhalte grundsätzlich nur für Absender und Empfänger als Klartext sichtbar. Auch Facebook hätte keinen Zugriff darauf. Damit könnte das Unternehmen auch bei gerichtlich angeordneten Überwachungen oder Durchsuchungsbefehlen nicht mehr auf die Nachrichten zugreifen.

WhatsApp hat bereits standardmäßig Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, beim Messenger kann sie für vertrauliche Chats eingeschaltet werden. Die Regierungsbehörden warnten in dem Brief, die Verschlüsselung könne es Kriminellen erlauben, einer Strafverfolgung zu entgehen, weil wichtige Beweise verborgen blieben.

"Man kann keine Hintertür machen, durch die nur die Guten durchgehen können"

Schon lange suchen Polizei- und Justizbehörden nach Wegen, um verschlüsselte Nachrichten zu lesen. Allein 2018 meldete Facebook fast 17 Millionen Fälle möglichen Kindesmissbrauchs, mit der geplanten Ausweitung der Verschlüsselung wären schätzungsweise etwa zwölf Millionen Fälle davon aber wohl nicht bemerkt worden, wie es in dem Brief nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums hieß.

Das Social-Media-Unternehmen entgegnete, Nutzerinnen hätten das Recht auf private Unterhaltungen im Netz. Im Übrigen reagiere das Onlinenetzwerk bereits auf juristisch stichhaltige Anfragen von Regierungsbehörden. Sicherheitsexperten warnten darüber hinaus, dass ein solcher Zugang für die Ermittlungsarbeit den Nachrichtenaustausch für alle unsicherer mache. Und auch eine neu entwickelte Verschlüsselung mit Hintertüren für die Polizei schaffe Anfälligkeiten, die sich Kriminelle oder ausländische Spione zunutze machen könnten.

"Alle paar Jahre erhebt das FBI sein hässliches Haupt und sagt uns, dass es Zugang zu Ende-zu-Ende-Verschlüsselung haben muss", sagt Eva Galperin, Direktorin für Cybersicherheit bei der Electronic Frontier Foundation, einer Aktivistengruppe, die sich für digitale Rechte einsetzt. "Man kann keine Hintertür machen, durch die nur die Guten durchgehen können."