Es kommt selten vor, dass man mit Facebook einer Meinung sein sollte. Das weltweit größte soziale Netzwerk steht mittlerweile ständig in der Kritik und das zu Recht. Allein in den vergangenen Wochen häuften sich wieder die Negativschlagzeilen: Facebook soll einem Bericht zufolge versucht haben, Wettbewerber wie Snap einzuschüchtern. Die Telefondaten von Millionen Facebook-Nutzern tauchten im Netz auf. Und das Onlineportal The Verge publizierte Audiomitschnitte aus einer internen Facebook-Veranstaltung, auf der Chef Mark Zuckerberg sagte, er wäre längst gefeuert worden, hätte er nicht die komplette Kontrolle über seine Firma. Facebook ist aktuell wirklich nicht die sympathischste Organisation der Welt.

Aber manchmal haben Firmen auch gute Einfälle, selbst Facebook. Das soziale Netzwerk hat schon vor Monaten angekündigt, private Kommunikation künftig stärker schützen zu wollen. Nachrichten, die jemand via Facebook-Messenger schreibt, sollen nur noch für Senderin und Empfänger lesbar sein. Möglich soll das die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung machen. Auf WhatsApp ist das Verfahren bereits Standard.

Jetzt stellen sich die amerikanische, die australische und die britische Regierung gegen diese Pläne. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gefährde Bürger und Gesellschaften, da sie die Strafverfolgung im Fall von illegalen Aktivitäten wie Kindesmissbrauch, Terrorismus und "Versuchen ausländischer Gegner, demokratische Werte und Institutionen zu untergraben", stark beeinträchtige, heißt es in einem offenen Brief hochrangiger Regierungsvertreter (den vollständigen Brief finden Sie hier). Das soziale Netzwerk solle seinen Plan einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht weiterverfolgen, ohne "ein Mittel für den rechtmäßigen Zugang zu den Inhalten der Kommunikation zum Schutz unserer Bürger" einzuführen.

Man schützt Bürger nicht durch Hintertüren

Im Klartext: Die Regierungen wollen eine Hintertür in Facebooks Verschlüsselung – sie wollen die Nachrichten der Nutzerinnen und Nutzer mitlesen können. Solche Forderungen sind leider nicht neu. Auch das Bundesinnenministerium verlangt immer mal wieder einen Zugang zu verschlüsselten Nachrichten. In Australien ist 2018 sogar ein Gesetz verabschiedet worden, mit dem die Polizei Technologiefirmen dazu zwingen kann, eine Hintertür in Verschlüsselungsmechanismen einzubauen – ohne das Wissen der Nutzer. Argumentiert wird dabei meistens genauso wie in dem aktuellen offenen Brief: mit der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger.

Eine perfide Argumentation. Denn Behörden brauchen nicht unbedingt eine Hintertür, um Informationen über Verdächtige zu sammeln. In Deutschland etwa können sie ein Smartphone bei Gefahr beschlagnahmen und die Chats dann lesen – sofern das Gerät nicht gesperrt ist. Oder sie können gerichtlich die Herausgabe der Metadaten erzwingen, also etwa wer wann mit wem kommuniziert hat.