Facebook wehrt sich erstmals vor Gericht gegen Ausspähattacken auf seine Dienste. Der Internetkonzern verklagt die israelische Firma NSO, die sich über eine WhatsApp-Sicherheitslücke Zugriff auf Hunderte Smartphones verschafft hat. WhatsApp gehört seit 2014 zum Facebook-Konzern.

Allein in weniger als zwei Wochen im April und Mai dieses Jahres habe die israelische Firma NSO rund 1.400 Geräte angegriffen, erklärte Facebook in der in Kalifornien eingereichten Klage. Zielpersonen seien demnach Journalistinnen, Anwälte, Menschenrechtsaktivistinnen, Diplomatinnen und Regierungsbeamte gewesen. Sie kämen aus Ländern wie Bahrain, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

"Die NSO Group gibt an, sie arbeite verantwortungsvoll für Regierungen", sagte WhatsApp-Chef Will Cathcart. "Wir haben aber herausgefunden, dass mehr als 100 Menschenrechtsaktivisten und Journalisten im vergangenen Mai zum Ziel eines Angriffs wurden. Dieser Missbrauch muss enden." Facebook verlangt in der Klageschrift, dass NSO der Zugriff auf Dienste und Systeme des Onlinenetzwerks verwehrt wird. Zudem pocht der Social-Media-Konzern auf eine nicht näher genannte Entschädigungssumme.

Überwachungssoftware an repressive Regierungen

Nach Angaben von Facebook gelang es NSO, Schadsoftware, die einen weitreichenden Datenabgriff ermöglicht, über WhatsApp-Anrufe zu verbreiten. Das Programm, das unter dem Namen Pegasus bekannt wurde, installierte sich dabei auf den Geräten selbst dann, wenn die Zielpersonen den Anruf nicht annahmen. Danach stellte es eine Verbindung zu Servern der israelischen Firma her und gewährte Zugang unter anderem zu Kontaktdaten und Inhalten von Nachrichten auf den Geräten. NSO gab die erbeuteten Daten dann an Kunden der Firma weiter. Die Sicherheitslücke bestand in den WhatsApp-Apps für die Mobilbetriebssysteme Android, iOS, Windows Phone und Tizen. Bereits im Mai hatte Facebook die Sicherheitslücke geschlossen und öffentlich gemacht. Nach monatelangen Ermittlungen war NSO als Urheber der Attacke identifiziert worden.

NSO wird gemeinhin dafür kritisiert, Überwachungstechnologie an repressive Regierungen zu verkaufen. So hatten Expertinnen und Experten der israelischen Technologiefirma bereits 2016 vorgeworfen, beim Ausspionieren eines Aktivisten in den Vereinigten Arabischen Emiraten geholfen zu haben. Die Spionagesoftware Pegasus soll in der Lage sein, Kamera und Mikrofon der Smartphones von Zielpersonen zu aktivieren. NSO wies die Vorwürfe zurück. Der einzige Unternehmenszweck bestehe darin, Geheimdiensten von Regierungen und Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Terrorismus und Schwerkriminalität zu helfen, teilte die Firma mit. Die NSO-Technologie sei nicht für den Einsatz gegen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten entwickelt oder zugelassen worden.