Wäre ein Fall wie der von Hansson auch in Deutschland möglich? Zumindest nicht mit der Apple Card: Die gibt es in Deutschland noch nicht. In der Bundesrepublik gibt es zudem mehrere Gesetze, die solche Diskriminierungen verhindern sollen: Hierzulande dürfen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz keine Unterschiede nach Geschlecht, Alter, Religionszugehörigkeit, Behinderung, sexueller Orientierung oder der ethnischen Herkunft gemacht werden. In der Theorie klingt das gut. Allerdings gibt es für Auskunfteien Ausnahmen. Und laut des neuen Bundesdatenschutzgesetzes ist Scoring unter bestimmten Bedingungen erlaubt: wenn die Unternehmen den Datenschutz einhalten, nicht allein die Anschrift in die Bewertung miteinfließen lassen und sich "eines wissenschaftlich anerkannten mathematisch-statistischen Verfahrens" bedienen. Leider bleibt das Gesetz in diesem Punkt ungenau: Wie diese Verfahren geprüft werden sollen, steht dort nicht.

Diskriminierungen kann man demzufolge auch in Deutschland nicht ausschließen. Forschung dazu gibt es bislang wenig. Wissenschaftler Orwat sagt, dass er bei seiner Recherche für die Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes keine Fälle aus Deutschland gefunden habe – was nicht bedeute, dass es sie nicht gebe.

Interesse daran, wie Algorithmen Entscheidungen treffen, gibt es jedenfalls auch in Deutschland. Erst kürzlich hat das Projekt OpenSchufa versucht, zumindest etwas Licht in das Algorithmendunkel der Auskunftei zu bringen. Auch wenn die Daten nicht repräsentativ sind, lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass die Anzahl der Wohnungswechsel und auch das Geschlecht wohl teilweise einen Einfluss auf die Bonität haben.

Im Fall von David Heinemeier Hansson hat sich mittlerweile die New Yorker Finanzaufsicht eingeschaltet. In dem Bundesstaat ist Diskriminierung wegen des Geschlechts ebenfalls verboten. Die Aufsicht will nun untersuchen, ob der Algorithmus, mit dem die Kreditentscheidungen getroffen werden, gegen Gesetze verstößt. In einem Beitrag auf Medium.com betont Linda Lacewell, Superintendantin der Finanzaufsicht, dass man Innovationen natürlich unterstütze (wobei man natürlich darüber streiten kann, ob die Apple Card oder der Algorithmus dahinter jetzt wirklich so innovativ sind). Doch es brauche das Vertrauen der Öffentlichkeit. "Damit Innovationen einen dauerhaften und nachhaltigen Wert schaffen, müssen die Verbraucher, die neue Produkte oder Dienstleistungen nutzen, darauf vertrauen können, dass sie fair behandelt werden." Auch von einem Algorithmus.