In Deutschland werden sensible Daten von Patientinnen und Patienten in großer Zahl an falsche Adressen verschickt. Dies geht aus Zahlen der Datenschutzbehörden der Bundesländer hervor, die der NDR bei den Behörden abgefragt hatte. Demnach registrierten die entsprechenden Stellen seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 mindestens 850 Datenpannen durch Fehlversendungen von Patientenunterlagen. Sechs Bundesländer konnten allerdings keine Zahlen nennen.

Wie der NDR berichtet, kommen die Pannen in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens vor, also in Kliniken, Arztpraxen, Laboren und Abrechnungsstellen. Ursachen sind demnach in der Regel menschliches Versagen durch falsche Adressierung oder Kuvertierung, Verwechslung von Patienten und Ärzten oder Tippfehler. Die Datenschützer gehen laut dem Bericht davon aus, dass es sich zumeist um Einzelfälle handelt und nicht um systematische Fehler.

Bußgelder für höheren "Vermeidungsdruck"

Angeführt wird die Liste von Bayern: Die Datenschutzbehörde dort registrierte insgesamt 383 Fälle. In Norddeutschland wurden mindestens 134 Fehlversendungen gemeldet, davon 72 in Hamburg, 41 in Schleswig-Holstein, 21 in Bremen; Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern konnten keine Angaben machen.

Der NDR berichtet auch von einer besonders auffälligen Häufung von Fehlversendungen durch ein Krankenhaus in Hamburg. So hatte die Asklepios Klinik Altona seit 2013 insgesamt elf Briefe mit vertraulichen Patientendaten fälschlich an eine Hamburger Psychotherapeutin verschickt, die mit den Patienten nichts zu tun hatte. Obwohl die Therapeutin die Klinik immer wieder darauf hinwies, erhielt sie weiter Briefe. Der Klinikbetreiber begründete die Panne mit "menschlichem Versagen". Ihm droht nun ein hohes Bußgeld.

Tatsächlich können die Datenschützer die Verantwortlichen nicht mehr nur verwarnen und Anordnungen erlassen, sondern auch Bußgelder verhängen. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte, so könnte der "Vermeidungsdruck" bei Unternehmen erhöht werden. "Nur so bekommt man am Ende eine Änderung der Situation hin und wird dann entsprechend auch ernst genommen", sagte er dem NDR mit Blick auf die "sehr, sehr wesentlichen Daten von Betroffenen".