Der Protest von Datenschützern hatte Erfolg: Die geplante Corona-Tracing-App soll Kontaktdaten nun doch nicht zentral, sondern auf Nutzerhandys speichern. Die Bundesregierung werde "eine dezentralisierte Architektur vorantreiben, die die Kontakte nur auf den Geräten speichert und damit Vertrauen schafft", sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Samstagabend im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestätigte die Entscheidung. Er hatte zuletzt noch mitgeteilt, er bevorzuge eine zentrale Speicherung der Nutzerdaten. Das sei wichtig, um die Entwicklung der Epidemie besser verfolgen zu können. Zu klären sei auch, wer dann über die Daten verfügen solle. Digitalvereine wie der Chaos Computer Club hatten in einem offenen Brief vor dieser Variante gewarnt.

"Wir verfolgen als Bundesregierung bei der Entwicklung einer Tracing-App einen Ansatz, der auf Freiwilligkeit beruht, datenschutzkonform ist und ein hohes Maß an IT-Sicherheit gewährleistet", sagte Braun und Spahn. Hauptziel aus epidemiologischer Sicht sei es, Infektionsketten möglichst frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen. Die Regierung habe das Ziel, dass angesichts der bereits erfolgenden Öffnungen nach den umfangreichen Kontaktbeschränkungen sehr bald die Tracing-App einsatzbereit sei und eine breite Akzeptanz finde.

Behörden führen Gespräche mit Google und Apple

Die Bundesregierung ist darauf angewiesen, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger freiwillig die App installieren. "Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Bundesregierung auf eine dezentrale Softwarearchitektur, die die in Kürze zur Verfügung stehenden Programmierschnittstellen der wesentlichen Anbieter von mobilen Betriebssystemen nutzt und gleichzeitig die epidemiologische Qualitätssicherung bestmöglich integriert. Das bedeutet konkret, dass wir den Einsatz einer konsequent dezentralen Softwarearchitektur für die Anwendung in Deutschland vorantreiben werden", sagte Braun und Spahn.

Schätzungen zufolge müssen mindestens 60 Prozent aller Menschen in Deutschland die App nutzen, damit Corona-Infektionsketten wirksam nachvollzogen werden können – auch weil dann gezielter Kontaktpersonen getestet würden. So könnte eine zweite Infektionswelle verhindert werden, sobald die Ausgehbeschränkungen gelockert werden.

Die Behörden führen derzeit mit Google und Apple Gespräche über eine entsprechende App. Sie soll erfassen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind – und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie neben einem Infizierten standen. Eine solche App würde auf das Smartphone aufgespielt, das dann über Bluetooth mit anderen Smartphones kommuniziert.