Neue Zielgruppen, Spiele unabhängig von Konsolen wie Playstation oder Xbox, möglichst verängstigte Mitarbeiter und das Onlinerollenspiel nach World of Warcraft: Bei einem Analystentreffen hat Bobby Kotick, Chef von Activision Blizzard, zu einem Rundumschlag gegen Angestellte und Kunden ausgeholt.

"Die meisten der zwanzig Jahre, in denen ich für Wachstum bei Activision gesorgt habe, waren wir damit zufrieden, Produkte herzustellen, die attraktiv für den 16 bis 35 Jahre alten Typen sind, der kein Date für Samstagnacht abbekommen hat.", Das sagte Bobby Kotick, der Chef des World-of-Warcraft-Entwicklers Activision Blizzard, bei dem Analystentreffen Deutsche Bank Securities Technology Conference am Montag in San Francisco. Diese Haltung ändere sich derzeit aber massiv, so Kotick: Zum einen seien Computerspiele das Medium, mit dem sich die Kunden intensiver auseinandersetzten als mit jedem anderen – und zum anderen stiegen die Produktionswerte immer weiter. Um 15 Millionen Kunden sei die Zielgruppe der Gamer in letzter Zeit gewachsen, es gebe immer mehr Frauen, und über die Hälfte der Spieler sei jetzt zwischen 25 und 34 Jahre alt.

Activision Blizzard will diese Entwicklung auf keinen Fall verpassen und scheint bei den Onlinespielen nach neuen Wegen zu suchen. Zumindest äußerte sich Kotick auch kurz zum zweiten Onlinerollenspiel neben World of Warcraft, an dem seine Entwickler bei Blizzard arbeiten: "Momentan hat Blizzard drei Spiele bestätigt: Starcraft 2, Diablo 3 und ein neues Massive Multiplayer Onlinegame, das eine etwas breitere Masse ansprechen wird." Klar ist bislang aber nur, dass das Onlinespiel auf keiner der bislang bekannten Marken von Blizzard basieren wird.

Kotick gibt an, dass sein Unternehmen derzeit rund 30 Prozent des operativen Gewinns auf stationären Konsolen erzielt, 10 Prozent auf mobilen Plattformen wie Nintendo DS oder dem iPhone, sowie rund 50 Prozent im Internet. Hier dürften insbesondere die Abogebühren für World of Warcraft gemeint sein.

Ein Problem für weiteres Wachstum sei, dass die Kunden in vielen der weltweiten Märkte nicht über Konsolen wie die Xbox 360 oder die Playstation 3 verfügten. Deshalb sei für die nahe Zukunft zu erwarten, "dass viele unserer Produkte ohne eine Konsole spielbar sein werden", sagte Kotick. Stattdessen könnten Geschäftsmodelle funktionieren, die moderne Fernseher nutzen, die mit Browsern ausgestattet und per Breitband an das Internet angeschlossen sind. Ohne die Firmennamen zu nennen, deutete Kotick an, dass beispielsweise die Streamingangebote von Gaikai oder Onlive zum Einsatz kommen könnten.

Auch zum Thema der Unternehmenskultur bei Activision Blizzard äußerte sich Kotick. Die habe nur ein Ziel: künftig einen operativen Gewinn von 50 Prozent zu erzielen. Intern würden nur "Profite belohnt und sonst nichts". Es gebe Studiochefs, die noch vor fünf Jahren kein "Balance sheet" (Bilanzblatt) von einem "Bed sheet" (Bettlaken) hätten unterscheiden können, und jetzt würden sie regelmäßig zu Budgetverhandlungen in der Finanzabteilung auftauchen. Kotick sagte, er habe vor zehn Jahren absichtlich Mitarbeiter aus anderen Branchen zu Activision gebracht, um "den Spaß aus der Entwicklung von Videospielen" zu vertreiben. Er versuche, bei Activision eine Atmosphäre von "Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst" zu etablieren, um die Mitarbeiter insbesondere angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise dazu zu bringen, stark auf die Kosten zu achten.

Kotick sprach auch über neuen Technologien. So stellte er ein Gesichtsanimationsverfahren vor, das beispielsweise die Bewegungen von Mündern deutlich realistischer darstellt. In aktuellen Programmen seien die noch zu künstlich, deshalb könnten Spieler immer noch keine echte emotionale Verbindung zu den Spielfiguren herstellen. Mit den kommenden Algorithmen sei es möglich, das zu ändern. Die Verfahren würden auch ohne neue Hardware in der nächsten Generation von Spielen zur Verfügung stehen – gemeint sind wohl Titel ab dem Jahr 2010.