Im Grunde beginnt es mit einer Schlägerei, irgendwann im Jahr 1476 in den Gassen von Florenz. Zwei Cliquen von Halbstarken treffen aufeinander, es geht um schöne Frauen und darum, wer mehr Macho ist. Anführer von einer der Banden ist ein gewisser Ezio: Er hat die größte Klappe und die schnellste Faust – und die braucht er auch in Assassin's Creed 2. Denn um Ezio dreht sich wenig später eine mittelalterliche Verschwörung: Es geht um Rache für einen grausamen Mord und um den geheimnisvollen Orden der Templer. Wie im ersten Teil der Reihe übernimmt der Spieler eigentlich einen gewissen Desmond Miles, der in der Gegenwart lebt, aber mit einer obskuren Erinnerungszeitreisemaschine in die Vergangenheit eintaucht.

Diese Vergangenheit ist in Assassin's Creed 2 das Norditalien der Renaissance. In Florenz bestimmt der Familienclan der Medici das Geschehen, Venedig steht in voller Blüte, aber auch in den ländlichen Gebieten der Toskana gibt es für Ezio viel zu entdecken. Zuerst tritt er in Florenz an, dann gelangt er per Pferd oder mit der praktischen Schnellreisefunktion immer weiter weg vom Stammsitz seiner Familie. Die Schauplätze orientieren sich weitgehend am historischen Stadtbild, insbesondere markante Bauten wie Kirchen oder Brücken sind auch im Spiel vorhanden. Außerdem treten historische Persönlichkeiten auf, neben den Medici beispielsweise der junge Leonardo da Vinci.

Die meiste Zeit verbringt der Spieler aber nicht in den Gassen, sondern auf den Dächern der Städte. Wie im Vorgänger kommt er dort direkter und schneller ans Ziel, trifft seltener auf misstrauische Wachleute – vor allem aber macht es viel Spaß, wie ein mittelalterlicher Superheld mühelos an Hauswänden empor zu klettern, über gewaltige Abgründe zu springen, von Fahnenstange zu Mauervorsprung zu hopsen oder sich vom Kirchturm zielgenau in einen Heuhaufen fallen zu lassen. Veränderungen gegenüber dem Teil eins sind fast nicht sichtbar. Hier gibt es ein paar Animationen mehr, da darf Ezio anders als sein spiritueller Vorgänger mal über aufsteigende Blöcke hüpfen, aber das war es dann letztlich auch schon.

Durch die Luft – Ezio nimmt in Assassins Creed II selten die normalen Wege. Klicken Sie auf das Bild, um zu weiteren Screenshots zu gelangen © Ubisoft

Bei den Einsätzen – den freiwilligen genauso wie bei denen der Haupthandlung –, hat sich dagegen deutlich mehr getan. Das Spiel fühlt sich jetzt offener an und bietet viel mehr Abwechslung. Zwar gibt es auch noch klassische Mordaufträge mit einer Zielperson, an die sich Ezio unbemerkt durch Wachen hindurch vorarbeiten muss. Aber Ezio muss beispielsweise auch gemeinsam mit einem riesigen Trupp computergesteuerter Soldaten eine Art Überfall ausführen, allein Nebenmission absolvieren oder findet sich in einer Verfolgungsjagd über die Dächer wieder.

Dazu kommen jede Menge freiwilliger Zusatzaufgaben. Wie im Vorgänger kann der Spieler Kirchtürme erklettern und so allmählich die Übersichtskarte mit weiteren Informationen ergänzen. Auch gibt es neue Missionstypen, beispielsweise kann Ezio Taschendiebe verfolgen. Besonders aufwendig ist die optionale Suche nach den Gräbern anderer Assassine, um an ein besonders wertvolles Artefakt von Altair, der Hauptfigur aus Teil eins, zu gelangen. Dazu muss der Spieler sich unter anderem auf eine langwierige, komplizierte Kletterei im Dom von Florenz begeben.

Ein Teil der Zusatzaufgaben ist rund um die Villa Monteriggioni angesiedelt, dem Familiensitz der Auditore. Dessen Verwalter heißt Onkel Mario und macht Ezio zwischendurch immer wieder mit der Kampfsteuerung vertraut. In einem netten und unkomplizierten Zusatzspiel kann Ezio sein verdientes Geld in das Landgut stecken und dort Kirche, Bordell und andere Einrichtungen renovieren. Eine sinnvolle Investition, denn nach einiger Zeit schwimmt der Spieler geradezu in Florin, der damaligen Währung. Sinnvoll ausgeben kann er das Geld nicht.

Dabei ist das Warenangebot in den Geschäften von Assassin's Creed 2 größer als im Vorgänger. Ezio kann sich Brustplatten, Stiefel sowie Schwerter und Dolche in mehreren Ausführungen kaufen, dazu kommen noch Medikamente und unterschiedliche Farben für seine Kutte. Richtig nötig ist das alles aber nicht, denn die Schwertkämpfe sind einfacher als im Vorgängerspiel. Mit fleißigem Knöpfchendrücken nimmt es die Hauptfigur auch mit größeren Gruppen von Wachleuten auf. Die zusätzlichen Möglichkeiten, etwa neue Schlagoptionen oder das Entwenden der Gegnerwaffe, sind nur in Ausnahmefällen nötig.