Microsoft hat all jene Besitzer einer Xbox 360 von seinen Onlinediensten ausgesperrt, die ihre Konsole "modifiziert" haben, um Spiele kopieren und kopierte Spiele nutzen zu können. Ist das ein legitimer Umgang mit der Technik? Um dieses Thema hat sich eine interessante Debatte entwickelt:

Tazdevil schreibt: "Die Aktion von Microsoft betrifft a) den Online-Zugang zu einem Online-Spielplatz und b) die Festplatte der Xbox-Nutzer. Der erste Schritt erscheint mir legitim als Reaktion auf Urheberrechtsverletzungen. Punkt b) ist allerdings ein Eingriff in die Hardware, die der Nutzer erworben hat. Das halte ich unabhängig von möglicherweise verwendeten Vertragsbedingungen von MS in höchstem Maße für illegitim, vielleicht ist es sogar illegal."

Herr Vorragend meint dazu: "Ich verstehe das Getöse nicht." Immerhin mache Microsoft das jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit, "aus leicht nachvollziehbaren Gründen". Und die Gamer hätten damit auch kein Problem, schreibt er. In vielen 360-Internetforen herrsche diesbezüglich die Meinung vor: "Das ist okay so, ich kaufe einmal im Jahr eine neue Xbox 360 und bezahle einen monatlichen Beitrag für den Online-Service, dafür spare ich Geld weil ich alle Spiele als kostenlose Raubkopien bekomme. Und Microsoft hat auch etwas davon, weil sie dadurch die Absatzzahlen ihrer Konsole auf einen Schlag massiv erhöhen."

Die Blockierung der Festplatte sei das eigentliche Ärgernis. "Denn ohne die Möglichkeit Spiele auf Festplatte zu installieren ist die XBox 360 extrem laut, gespeicherte Spielstände können nicht mehr benutzt werden etc."

Sonderseite glaubt, beide Seiten sind auf dem falschen Weg: "Warum eine Industrie da immer noch mit der vermeintlichen Keule reagiert, ist mir zweifelhaft. Genauso zweifelhaft aber auch, warum man regelmäßig einen Service nutzt, diesen sicherlich auch als qualitativ gut einordnet und nicht dafür zahlen möchte (allerdings sind mir die Preise bei der XBox unbekannt - shame on me)."

Letztlich hätten die Aktionen der Industrie – auch jene der Urheberrechtslobby – aber nur Symbolcharakter. Besser wäre es doch, zu fragen, wie man die "Freiwilligkeit" der Menschen aktivieren könne. "Keine leichte, aber eine zu schaffende Aufgabe. Übrigens, das sollte man bei dem Thema nicht vergessen, es wird auch Leute geben, die erst 'böse' kostenlos nutzen, um dann später zum zahlenden Kunden zu werden. Alles schon erlebt und nicht mal selten."

Auch um die Frage, ob sich der ganze Aufwand für ein paar illegale Kopien lohnt, ging es. Die Antwort darauf lautet wohl: Ja. Hier das Rechenbeispiel von Bos Primigenius: "Ein Spiel (aktuell) kostet zwischen 35 und 50 €. Rohlinge, Brenner und PC sind einmalige Anschaffungen, rechnen sich aber kurzfristig, weil der Raubkopierer eben 'alles' kopiert, was ihm in die Finger gerät (Jäger und Sammler). 500 Spiele und mehr sind da keine Seltenheit. Rechnen Sie nun die Rohlingkosten mal der Anzahl der Spiele, die sie kopiert haben. Und das dann mal 40. Dieses Geld haben sie gegenüber dem Erwerb der Originale 'gespart'. Oder, anders herum: 4 Spiele im Jahr kopiert, schon hat man die Konsole 'raus'."