Inhaltlich geht das Actionadventure Saw zurück zu den Anfängen der Filmreihe: Der Spieler übernimmt Detective Tapp, der sich eines Tages in einem heruntergekommenen Krankenhaus wiederfindet. Tapp weiß weder, wie er an diesen Ort gelangt ist, noch, wie er wieder herauskommt - die einzige Tür in seinem Aufwachraum ist verschlossen. Als plötzlich ein Fernseher anspringt und ein unheimliches Maskengesicht zu einem Spiel einlädt, ahnt er bereits, dass die nächsten Stunden alles andere als angenehm werden.

Nach und nach klären sich die Umstände von Tapps Aufenthalt in der Anstalt. Saw-Bösewicht Jigsaw schickt ihn in ein Labyrinth des Bösen, aus dem nur einer am Ende lebend herauskommen soll. Allein ist Tapp nämlich nicht in dem Gebäude gefangen, immer wieder trifft er auf andere Eingesperrte. Das Perfide dabei: Tapp trägt einen zur Flucht nötigen Schlüssel in seinem Körper – und weil das seine Mitgefangenen wissen, begegnen sie ihm alles andere als freundlich.

Spielerisch ist Saw ein Mix aus Action und Adventure. Um verschlossene Türen zu öffnen, Schlüssel zu finden, Tagebucheinträge zu enträtseln oder Schlösser zu knacken sind immer wieder Logik und Gehirnschmalz notwendig. Mal muss Tapp eine Zahlenkombination im Raum finden, dann wiederum gilt es, Schalterrätsel zu lösen oder versteckte Gegenstände zu finden und zu kombinieren. Auch Geschicklichkeitseinlagen sind gefragt, denn Jigsaw hat viele Türen mit Fallen versehen; wer nicht gleich nach dem Öffnen so schnell wie möglich die geforderte Taste drückt, macht mit einer von zahlreichen im Spiel platzierten Bomben Bekanntschaft. An anderer Stelle muss Tapp auf schmalen Balken über Abgründe balancieren.

Beeindruckend ist bei all dem, wie ähnlich sich Atmosphäre von Spiel und Film sind: Nicht nur Schauplätze, Charaktere, (englische) Stimmen und Sprüche sind bekannt. Auch die Spannung ist vergleichbar intensiv – und manchmal arg an der Geschmacksgrenze. Einige Aufgaben werden zartbesaitete Naturen kaum zu schätzen wissen: Wer ungern in Toilettenbecken nach Schlüsseln sucht oder per Skalpell Leichen aufschlitzt, macht besser einen Bogen um Saw. In Videosequenzen und Rückblenden ist zudem auch immer mal wieder das Foltern und Töten von Menschen zu sehen. Das ist zwar nie besonders grausam oder blutig dargestellt, aber trotzdem deutlich intensiver, als es bei atmosphärisch ähnlichen Spielen wie Silent Hill der Fall ist.

Jenseits der streitbaren Thematik gibt es allerdings auch offensichtliche Mängel, die den Spielspaß trüben. Die Actionpassagen etwa, in denen sich Tapp herumliegende Gegenstände wie Eisenstangen schnappen und auf Kontrahenten einschlagen muss, sind misslungen. Die Bedienung ist träge, die Kollisionsabfrage mangelhaft, das Blocken von feindlichen Attacken nahezu unmöglich. Gut also, dass diese Duelle nicht den Hauptteil des Spiels ausmachen. Ebenfalls fällt auf, dass den Entwicklern nach einigen Stunden die Ideen ausgehen. Während sich die ersten Aufgaben noch abwechslungsreich und spannend anfühlen, setzt bald eine gewisse Monotonie ein, weil die Rätsel vergleichbaren Schemata folgen. Auch das Speichersystem sorgt für Frust – wenn nach einem falschen Knopfdruck bereits das Leben ausgehaucht sein kann, dann aber lange Passagen auf Grund seltener Speicherpunkte zu wiederholen sind, dämpft das die Stimmung.

Saw ist für Playstation 3 und Xbox 360 ab dem 3. Dezember 2009 verfügbar und kostet rund 50 Euro. Die Fassung für Windows-PC kommt am 15. Dezember 2009 in den Handel und kostet rund 40 Euro. Das Programm setzt eine CPU mit 2,4 GHz voraus, außerdem muss 1 GByte RAM vorhanden sein. Auf der Festplatte belegt Saw 12 GByte. Das Spiel ist ungeschnitten und von der USK ab 18 Jahren freigegeben.

Fazit

Saw hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits ist es beachtlich, wie es den Entwicklern der Zombie Studios und Konami gelungen ist, die Atmosphäre der Filme umzusetzen. Selten zuvor wurde eine Horrorfilmlizenz so gekonnt und stilecht eingefangen, angefangen von der unheimlichen Atmosphäre bis hin zu diskussionswürdigen, wenn auch nicht explizit dargestellten Aufgaben wie dem Aufschneiden von Leichen. Andererseits offenbaren sich spätestens nach den ersten Spielstunden einige gravierende Mängel, etwa die schlecht umgesetzten Actionpassagen oder die sich später oft wiederholenden Rätsel. Wer die Filme schätzt, sollte trotzdem schon wegen der zahlreichen inhaltlichen Bezüge und Querverweise einen Blick auf das Spiel werfen. Die Entwickler haben mehr Detailverliebtheit und Gespür für die Vorlage bewiesen, als es meist bei Filmumsetzungen der Fall ist.

(Der Artikel erschien auf golem.de am 31.11.2009)